Das Aufatmen in der zivilisierten Welt war in den Morgenstunden zum Mittwoch über den Atlantik und zurück zu hören. Die US-Demokratie hat bewiesen, dass sie sich immer noch so nennen darf, trotz aller Zweifel in den letzten 2 Jahren. Donald Trump wurde von den US-Wählern ein Riegel vorgeschoben, die seinen Wahnsinn, Irrsinn, Barbarismus und seine Inkompetenz und Ignoranz nicht mehr länger hinnehmen wollen. Das Ergebnis der Midterm-Elections kommt einem Kollaps der Republikaner gleich, wie selbst Floridas scheidender (republikanischer) Gouverneur und der mögliche Präsidentschaftskandidat 2028 Ron DeSantis analysierte.
Von Christian Klosz
Das Ergebnis der Wahl, bei der die Demokraten sowohl Repräsentantenhaus, als auch Senat in dominanter Manier zurückeroberten, ist sowohl Erfolg einer klugen Wahlstrategie der Partei, die die richtigen Kandidaten für die jeweiligen Bundesstaaten und Wahlbezirke fanden, als auch Misserfolg der Republikaner. Die hatten sich in Geiselhaft von Trump begeben und die eigene Partei damit – wie zu erwarten war – an den Rande der Selbstzerstörung geführt.
Das Ende des Trumpismus
Was sich in jedem Fall sagen lässt: Das Ergebnis der Wahl ist der Endpunkt des Trumpismus und das Ende des Politikers Donald Trump. Seine Partei unterwarf sich ihm schon 2016, noch mehr 2024 nur deshalb, weil er Wahlen gewinnen konnte und einen beachtlichen Teil der Bevölkerung hinter sich wusste. Beides hat sich nun ins Gegenteil gedreht: Kein ehemaliger Trump-Lakai wird 2028 eine Chance haben, die Präsidentschaftswahl für sich zu entscheiden. Die MAGA-Marke ist verbrannt.
Beachtlich und gewissermaßen auch beruhigend ist die Botschaft, die über den Atlantik nach Europa schwappt, noch mehr, als sie direkt von den US-Wählern ausgeht: Das Wahlergebnis ist Ausdruck einer Sehnsucht nach Mäßigung, nach Rückkehr zu Anstand und Moral in der Politik, auch eine Absage an eine durch Framings, Spins und Lügen geprägten Politwelt, in der konkrete politische Maßnahmen keine Relevanz mehr haben. Demokraten wurden vielerorts gerade deshalb gewählt, weil sie konkrete, für manche Wähler existenzielle Themen direkt adressierten: Hohe Lebenserhaltungskosten, hohe Spritpreise, auch die Verfolgung von Immigranten im Inland. Eine Rückkehr des Realen in die Politik.
Eine Mehrheit der US-Wählerschaft – nicht wenige von ihren ehemalige Trump-Supporter – durchschauten – endlich! – dessen wahre Motive und dass er, der billige Con-Man, sich nie um sie geschert hatte und stets eigene Interessen verfolgte. Die US-Demokratie zog sich selbst aus dem Sumpf, in den sie sich verwandelt hatte und der sie zu verschlingen drohte. Den US-Wählern gebührt ein gewisser Respekt für ihr glasklares Votum.
Wie endet Trump selbst?
Wie die unsägliche Ära Trump für ihren Urheber zu Ende gehen wird liegt vor allem bei ihm, es gibt 2 Möglichkeiten:
1. Demonstratives Desinteresse an Politik, am Wahlergebnis, an politischen Prozessen, indem er sich noch mehr auf lächerliche Projekte wie seinen Ballroom fokussiert. Die Beschäftigung mit Immobilien hat auf den schwer narzisstisch gestörten Trump offenbar eine beruhigende Wirkung. Außerdem würde er durch die Abkehr von der Politik in seiner Logik die Wähler „bestrafen“, die kein Interesse mehr an ihm gezeigt hatten: „Liebesentzug“ sozusagen. Es wäre eine Kompensationsstrategie, um mit der narzisstischen Verletzung umzugehen, die die Wahlniederlage für Trump zuallererst ist. Die ersten Auftritte und Äußerungen Trumps nach der Wahl deuteten in diese Richtung.
2. Eskalation: Trump ist zu Mäßigung inzwischen unfähig. Minimale Anerkennung würde ihm nur eine Kurskorrektur bringen, doch Trump ist lernunfähig und unfähig, eigene Fehler zu sehen und einzugestehen. Konstruktiver Umgang mit seiner Niederlage ist ihm nicht möglich. Als Gegenreaktion könnte eine Eskalation anstehen, indem sich Trump gegen alle und jeden wendet, die sich gegen ihn wendeten: Wähler, seine ehemaligen MAGA-Verbündeten in den Medien, selbst Unterstützer in der Partei oder die GOP in ihrer Gesamtheit. „Ihr liebt mich nicht mehr, also zerstöre ich euch.“ Zum Liebesentzug käme also Rache. Die Ernennung von Stephen Miller zum neuen Stabschef deutet in diese Richtung, steht Miller doch genau für einige jener Maßnahmen, für die Trump abgewählt wurde.
Die Logik dahinter wäre, dass es Trump inzwischen völlig egal ist, was seine Politik anrichtet und ob sie seinem Ansehen schadet, da das Problem ohnehin „alle anderen“ sind. Da sie die Schuldigen sind, ist es auch egal, was sie über ihn denken ob er noch unbeliebter würde. Das Prinzip verbrannte Erde.
Das Problem: Eine ungebremste Eskalation wird inzwischen von der US-Öffentlichkeit nicht mehr geduldet werden und würde nach der Neubesetzung des Kongresses im Januar 2027 schnell an realpolitische Grenzen stoßen. Und der wohl gewichtigste Faktor: Selbst in der republikanischen Partei würde die Taktik Eskalation eher dazu beitragen, dass die Unzufriedenheit mit Trump noch mehr und noch schneller wächst und dass sich gewichtige Stimmen öffentlich von ihm lossagen. Hier wäre nicht mal mehr auszuschließen, dass Republikaner im Senat aktiv gemeinsam mit Demokraten stimmen würden, um Trumps Macht zu beschränken – oder ihn sogar abzusetzen. Denn vor allem für mögliche Kandidaten für 2028 ist Trump-Nähe inzwischen eine Hypothek, die man abbauen will.
Möglich ist auch, dass Trump zwischen „Taktik“ 1. und 2. hin- und herschwankt: Desinteresse und Eskalation. Das Beruhigende für alle anderen: Selbst eine Eskalation kann nichts Substanzielles mehr bewirken, sondern würde die (Selbst-)Zerstörung Trumps nur weiter beschleunigen.
Titelbild: KI-generiert / (c) Das_Medium





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