Corona ist vorbei: Das seit 3, 4 Jahren verbreitete, die Gesellschaft einende Mantra, das eine für viele traumatische „Ausnahmesituation“ per politisch-medialer Verordnung zu beenden sucht(e). Der Großteil der Gesellschaft hält sich auch heute daran, ist – mit Abstufungen – von der Richtigkeit dieser simplen Feststellung überzeugt. Das Problem: Sie ist falsch.

Von Christian Klosz

„Corona“ oder „Covid“ als Beschreibung einer pandemischen (oder endemischen) Ausbreitung des Virus Sars-CoV-2 hat nie geendet. Diejenigen, die das wissen, verweisen richtigerweise auf die WHO, die immer noch von einer Pandemie spricht und 2023 lediglich den „globalen Gesundheitsnotstand“, wohl auch auf politischen Druck hin, beendet hat.

Der Notstand im Sinne unzähliger akuter Todesfälle und überlasteter Intensiv-Stationen hat in der Form wie etwa 2020 oder 2021 tatsächlich geendet. Das Problem hat sich aber nicht „in Luft aufgelöst“. Es hat hat sich verlagert, andere Formen angenommen.

Corona: Von der Akutbedrohung zum Dauernotstand

Rekordkrankenstände, die man sich nicht erklären können will, sind Teil dieses Dauernotstandes, der zur Normalität wurde. „Plötzliche Todesfälle“, auch von auffällig jungen Menschen oder von vielen Stars und Promis, deren Häufung nahe legt, dass da „irgendwas nicht stimmt“, sind Teil dieses Notstandes. (Die „Erklärung“, es liege „an der Impfung“ ist in 99% der Fälle völliger Unsinn.)

Die steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen bei zugleich immer schlechterer Versorgung sind Teil dieses Notstands. Ebenso eine stagnierende oder schrumpfende Wirtschaft (hier spielen weitere Faktoren mit; der akute und chronische Ausfall von erkrankten Arbeitskräften oder minimierte Leistungsfähigkeit spielt aber jedenfalls eine bedeutende, in der öffentlichen Analyse weitgehend ignorierte Rolle.)

All das wurde vorausgesagt und vor Jahren vorausberechnet, kann durch Zahlen und Studien belegt werden; es ist der allgemein-gesellschaftlich akzeptierte Preis für die Dauerverdrängung des dauernden Notstandes, der die Illusion einer „Normalität wie damals“ ermöglicht. Diese Zustände sind keine Überraschung für all jene, die die Realität einer noch zu etablierenden Post-Covid-Welt akzeptier(t)en, in der vieles geändert werden muss, damit alles „bleibt wie es ist“ (oder wieder ähnlich werden kann), die heute allein deshalb weiter eine Covid-Welt ist, weil die Mehrheit der Menschen das Faktum Covid bisher nicht akzeptier(t)e.

Tödliches Schweigen im Wald der Verdrängung

Jene, deren Aufgabe es wäre, diese Notstände zu adressieren und zu lösen hüllen sich indes in Schweigen, Scheinerklärungen werden gesucht, die nur teilweise relevant oder schlichtweg falsch sind.

Das Thema existiert in den alltäglichen politischen Debatten nicht mehr. Auch nicht medial, wenn überhaupt als Fußnote in Berichten über den einen, nicht mehr zu leugnenden und immerhin zum Teil in öffentlichen Diskursen angekommenen „Post“-Covid-Notstand namens ME/CFS: Ja, diese Krankheit gab es bereits vor Corona, doch ein durch politische (Un)Verantwortungsträger sanktioniertes „Durchrauschenlassen“ von Covid-Wellen verursachte mindestens eine Verdopplung der Betroffenen-Zahlen, und das in wenigen Jahren. Der Hinweis auf vorangegangene und auslösende Covid-Infektionen findet sich in manchen Medienberichten, die im Rahmen eines ernsthaften Journalismus darauf folgen müssende Frage nach der Verantwortung, danach, wie das hätte verhindert werden können und in Zukunft verhindert werden kann kommt nie; der eben hergestellte Konnex verschwindet im Dickicht der kollektiven Verdrängung, deren Täter und Opfer auch die meisten Journalisten sind.

Die meisten Menschen ziehen die Schein-Sicherheit des oben genannten Mantras den harten, beunruhigenden Fakten vor: Dass dieses Virus weiterhin zirkuliert; dass es weiterhin – in unseren Breiten zumeist im Herbst/Winter – zu Infektionswellen kommt, die keineswegs vernachlässigbar sind; und dass Corona weiterhin weit entfernt davon ist, in irgendeiner Weise mit Influenza oder einer „Erkältung“ vergleichbar zu sein. Nebenbei: Wiederholte Infektionen stärken nicht die Immunität, sondern (zer-)stören das Immunsystem und kulminieren in der Regel die körperlichen und kognitiven Schäden.

Ungeteiltes Wissen ist Ohnmacht

All dies ist in informierten Kreisen längst Common Sense. Diese Kreise blicken mit einer Mischung aus Unglaube, Schock, Wut, Unverständnis und Ohnmacht auf das Verhalten der Mehrheitsbevölkerung. Auf das Nicht- oder Falsch-Berichten der großen Medien. Und das Nicht-Handeln der Politik, die ganze Generationen nachhaltig schädigt.

Diese Ohnmacht wird zuweilen unerträglich: Wieder fallen Arbeitskollegen krank aus, die gerade vor einem Monat wochenlang flach lagen und jeden Winter die Hälfte der Zeit im Bett verbringen; wieder vergisst der Kollege wichtige Arbeits-Tasks, die dann kompensiert werden müssen; die nächste Horror-Diagnose im Familienkreis, der nächste „plötzliche Todesfall“ einer Person, die noch viele gesunde Jahre zu leben gehabt haben sollte: Der Konnex zwischen vorangegangenen (oder akuten) Covid-Infektionen wird nicht in jedem dieser Fälle vorhanden sein – in vielen aber muss er angesichts der klaren Studienlage angenommen werden, was zur seltsamen Situation führt, dass Informierte nicht selten mehr wissen als betroffene Angehörige, Freunde, Kollegen selbst oder gare deren Ärzte; Wissen ist Macht, aber verursacht Ohnmacht, wenn es sonst von kaum einem geteilt oder anerkannt wird.

Die breite Masse nimmt all das achselzuckend, schicksalsergeben und hilflos hin, un- und desinformiert, teilweise auch bereits derart traumatisiert, dass es nicht mehr aktiv verarbeitet werden kann. Viele Menschen spüren, dass etwas nicht stimmt, dass etwas anders ist als „vor Corona“, an sich selbst, in ihrem Umfeld, bei ihren Mitmenschen, sie können es aber nicht benennen, festmachen oder verstehen.

Es gibt Alternativen, mit all dem umzugehen, individuell und kollektiv, vieles davon ist gar nicht einmal so kompliziert (andere Kulturen wie viele ostasiatische haben das bereits in gewissem Ausmaß in ihr Selbstverständnis und den Alltag integriert.) Denken wir um. Handeln wir anders, besser. Informieren wir uns und andere. Kehren wir zurück zu Hausverstand, Menschlichkeit, Solidarität und mutigem Fortschrittswillen. Widerstände sind zu erwarten, doch vernachlässigbar im Vergleich zu den langfristigen Schäden, wenn wir nichts tun.

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