Nächste Woche stehen in den USA die Midterm-Elections an: Dabei wird das gesamte Repräsentantenhaus und ein Drittel des Senats neu gewählt. Außerdem stehen zahlreiche Gouverneursposten und bundesstaatliche Parlamente zur Wahl. Selbst von Demokraten und anderen Trump-Feinden wird die Wahl zur Schicksalswahl für die US-Demokratie hochstilisiert: Können die „Dems“ mit einer „blue wave“ den Kongress zurückerobern, wie es laut Umfragen derzeit aussieht? Wie groß wird der Vorsprung und was bedeutet das für Trump und seine Regierung? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Die US-Midterm-Wahlen finden am Dienstag, dem 3. November 2026, statt.

Für uns bedeutet das:

  • Dienstag, 3. November: Wahltag in den USA.
  • Mittwoch, 4. November, in den frühen Morgenstunden: Erste aussagekräftige Ergebnisse und Hochrechnungen aus vielen Bundesstaaten.
  • Mittwoch, 4. November, im Tagesverlauf: In vielen Wahlkreisen dürfte bereits klar sein, welche Partei gewonnen hat.
  • In den folgenden Tagen: Weitere Auszählungen, insbesondere bei knappen Rennen und Briefwahlstimmen.

US-Midtermwahlen 2026: Wie stehen die Chancen der Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat?

Die aktuellen Prognosen unterscheiden sich vor allem bei der Frage, ob die Demokraten auch den Senat übernehmen können. Beim Repräsentantenhaus zeigen die verfügbaren Modelle dagegen ein deutlich einheitlicheres Bild:

QuelleDemokraten gewinnen das HouseDemokraten gewinnen den SenatStand
Harvard Election Lab: ElectIt94 %Gemeinsamer Wahlsieg in beiden Kammern: 72 %28. Oktober 2026
PollingForecast81 %51 %Aktuelle Prognoseübersicht, 28. Oktober 2026
Sabato’s Crystal Ball225 Sitze mindestens im Bereich „Leans Democratic“Demokraten bei 49 Sitzen mindestens „Leans Democratic“; fünf offene Rennen27. Oktober 2026
Cook Political Report185 sichere demokratische Sitze und 29 weitere in den Kategorien „Likely/Lean“46 demokratische und vier unabhängige Sitze in der demokratischen Seite der SitzübersichtHouse: 16. Oktober; Senat: 22. Oktober 2026

Repräsentantenhaus: Das Harvard-Modell sieht eine Wahrscheinlichkeit von 94 Prozent für eine demokratische Mehrheit. PollingForecast kommt auf 81 Prozent.

Senat: Hier gehen die Modelle stärker auseinander. PollingForecast beziffert die demokratische Chance auf 51 Prozent. Das Harvard-Modell gibt eine Wahrscheinlichkeit von 72 Prozent für einen demokratischen Sieg in beiden Kammern an. Sabato beschreibt den Senatskampf als knapp und sieht Maine und Texas als besonders wichtige Entscheidungen.

Ein zentraler Indikator für die Stimmung im Land ist der sogenannte Generic Congressional Ballot. Dabei werden die Wähler gefragt, welche Partei sie bei einer Wahl zum Kongress unterstützen würden.

Der aktuelle Stand ist bemerkenswert eindeutig: Laut dem Umfragedurchschnitt von RealClearPolitics vom 26. Oktober liegt die demokratische Partei bei 51,4 Prozent, die Republikaner kommen auf 43,2 Prozent. Das entspricht einem Vorsprung von 8,2 Prozentpunkten. Der Durchschnitt von On Point Politics liegt am 28. Oktober sogar bei 9,9 Prozentpunkten Vorsprung für die Demokraten.

US-Midterms: Prognosen im Detail

Repräsentantenhaus

Das Wahlmodell ElectIt von Gary King und seinem Team an der Harvard University veröffentlicht Wahrscheinlichkeiten für einzelne Sitze und für die Kontrolle der beiden Kammern.

Das Modell berücksichtigt unter anderem frühere Wahlergebnisse, Amtsinhaber, die Besonderheiten einzelner Wahlkreise und den historischen Effekt von Zwischenwahlen für die Partei des amtierenden Präsidenten. Je nach Modellvariante werden zusätzlich nationale und lokale Umfragen berücksichtigt.

Die am 28. Oktober aktualisierte Prognose weist eine 94-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus aus. Als mittleres Ergebnis erwartet das Modell 240 demokratische Sitze. Das 95-Prozent-Intervall reicht von 212 bis 283 Sitzen.

Senat

Der Senat besteht aus 100 Mitgliedern. Anders als im Repräsentantenhaus wird nur ein Teil der Sitze gleichzeitig neu gewählt. Für eine demokratische Mehrheit sind 51 Sitze nötig, solange der republikanische Vizepräsident bei einem Patt die entscheidende Stimme abgeben kann.

In seiner Analyse vom 27. Oktober hebt Sabato’s Crystal Ball sieben besonders umkämpfte Bundesstaaten hervor:

  • Alaska
  • Iowa
  • Kansas
  • Maine
  • Michigan
  • Ohio
  • Texas

Laut der Analyse lagen die demokratischen Kandidaten in den dortigen Umfragedurchschnitten knapp vorne. Die Vorsprünge waren jedoch häufig so gering, dass ein abweichendes Wahlergebnis keineswegs überraschend wäre. (Mehr: sabatoscrystalball.substack.com)

PollingForecast beziffert die Wahrscheinlichkeit einer demokratischen Senatsmehrheit auf 51 Prozent. Das ist praktisch ein ausgeglichenes Rennen mit einem leichten Vorteil für die Demokraten. Das Modell erwartet 51 demokratische und 49 republikanische Sitze.

Das Harvard-Modell weist dagegen eine Wahrscheinlichkeit von 72 Prozent dafür aus, dass die Demokraten sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewinnen.

Die wichtigsten Quellen zum Weiterlesen

Was ein demokratischer Wahlsieg für Trump bedeuten würde

Ein demokratischer Wahlsieg im Repräsentantenhaus wäre für Donald Trump und seine Regierung eine erhebliche politische Veränderung. Er würde die Mehrheitsverhältnisse im Kongress drehen und damit die parlamentarischen Möglichkeiten der Opposition erweitern.

Besonders wichtig wären drei Bereiche: die Kontrolle der Regierung, die Gesetzgebung und die Finanzierung des Bundes.

Mit einer Mehrheit im Repräsentantenhaus könnten die Demokraten die Vorsitzenden der Ausschüsse stellen und deren Arbeit bestimmen. Damit hätten sie wesentlich mehr Möglichkeiten, Vorgänge innerhalb der Trump-Regierung zu untersuchen.

Ein demokratischer Sieg in beiden Kammern hätte deutlich weiterreichende Folgen. Die Opposition könnte dann nicht nur Untersuchungen vorantreiben und Gesetzesvorhaben verabschieden, sondern auch die Besetzung wichtiger Regierungsämter beeinflussen. Das wäre insbesondere bei Personalentscheidungen von Bedeutung.

Außerdem:

  • Weniger Kontrolle über die öffentliche Agenda: Untersuchungen und Konflikte könnten die politische Berichterstattung stärker bestimmen.
  • Mehr innerparteilicher Druck auf die Republikaner: Republikanische Abgeordnete und Senatoren aus umkämpften Wahlkreisen oder Bundesstaaten könnten stärker unter Druck geraten, sich von einzelnen Maßnahmen der Regierung zu distanzieren.

Könnte Trump nach einem großen demokratischen Wahlsieg aus dem Amt entfernt werden?

Es gibt ein verfassungsrechtliches Verfahren, mit dem ein Präsident aus dem Amt entfernt werden kann: das sogenannte Impeachment-Verfahren.

Schritt 1: Das Repräsentantenhaus erhebt Anklage.

Das Repräsentantenhaus kann sogenannte Impeachment-Artikel verabschieden. Dafür genügt grundsätzlich eine einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

Eine solche Entscheidung bedeutet, dass der Präsident formal angeklagt beziehungsweise impeached ist. Sie führt noch nicht zu seiner Amtsenthebung.

Schritt 2: Der Senat führt das Verfahren durch.

Nach der Anklage durch das Repräsentantenhaus findet im Senat ein Verfahren statt. Bei einem Präsidenten führt der Vorsitzende Richter des Supreme Court den Vorsitz.

Für eine Verurteilung ist eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Senatoren erforderlich. Erst dann wird der Präsident seines Amtes enthoben. Bei voller Anwesenheit aller 100 Senatoren wären dafür 67 Stimmen erforderlich.

Ein besonders großer Wahlsieg der Dems könnte den politischen Druck auf einzelne Republikaner erhöhen. Er könnte die Voraussetzungen für ein Impeachment-Verfahren schaffen und die Debatte über Trumps Amtsführung verändern.

Die entscheidenden Senatswahlen: Welche Kandidaten könnten die Mehrheit entscheiden?

Die Senatswahl ist der entscheidende Unsicherheitsfaktor bei den Midterms 2026. Die Republikaner verfügen derzeit über 53 Sitze, während die Demokraten gemeinsam mit den beiden ihnen nahestehenden unabhängigen Senatoren auf 47 kommen. Um die Kontrolle zu übernehmen, müssen die Demokraten netto vier Sitze hinzugewinnen.

Am 3. November stehen 35 Sitze zur Wahl, darunter zwei Sonderwahlen. Besonders bemerkenswert ist, dass die Demokraten inzwischen auch in mehreren Bundesstaaten konkurrenzfähig sind, die Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl 2024 deutlich gewonnen hat. Die wichtigsten Hotspots im Fokus:

1. Texas: James Talarico gegen Ken Paxton

Demokratischer Kandidat: James Talarico
Republikanischer Kandidat: Ken Paxton

Texas ist eine der politisch interessantesten Wahlen dieses Jahres. Der Bundesstaat gilt seit Jahrzehnten als republikanische Hochburg. Ein demokratischer Sieg wäre deshalb nicht nur für die Senatsmehrheit wichtig, sondern auch ein Hinweis auf eine mögliche Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse im Süden der USA.

Die jüngsten Umfragen zeigen ein enges Rennen. In einer am 29. Oktober veröffentlichten CNN-Umfrage lag Talarico mit 49 zu 43 Prozent vorne. Der Durchschnitt von RealClearPolling aus dem Zeitraum vom 8. bis 21. Oktober sah ihn mit 48,5 zu 46,7 Prozent ebenfalls knapp vor Paxton. Andere Umfragen zeigten ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

2. Maine: Troy Jackson gegen Susan Collins

Demokratischer Kandidat: Troy Jackson
Republikanische Kandidatin: Susan Collins

Maine gehört zu den wichtigsten Wahlstaaten des Jahres. Collins ist eine langjährige republikanische Senatorin, die auch bei Wählern Unterstützung gewinnen konnte, die nicht durchgehend republikanisch wählen.

Ihr demokratischer Herausforderer Troy Jackson versucht, von der nationalen Stimmung zugunsten der Demokraten zu profitieren.

Die Umfragen sind knapp: CNN ermittelte am 29. Oktober 49 Prozent für Jackson und 45 Prozent für Collins. In der Marist-Umfrage vom 27. Oktober lag Jackson mit 49 zu 47 Prozent vorne. Andere Befragungen sahen beide Kandidaten gleichauf. Der RealClearPolling-Durchschnitt vom 8. bis 21. Oktober ergab einen Vorsprung von lediglich 0,7 Prozentpunkten für Jackson.

3. Michigan: Abdul El-Sayed gegen Mike Rogers

Demokratischer Kandidat: Abdul El-Sayed
Republikanischer Kandidat: Mike Rogers

Michigan ist ein besonders wichtiger Bundesstaat, weil dort unterschiedliche Wählergruppen aufeinandertreffen: städtische und ländliche Wähler, Gewerkschaftsmitglieder, unabhängige Wähler und Menschen mit sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen.

Die jüngsten Umfragen zeigen einen demokratischen Vorsprung. Eine CNN-Umfrage vom 29. Oktober ergab 49 Prozent für El-Sayed und 42 Prozent für Rogers. Eine CBS-News-/Mitchell-Umfrage vom 28. Oktober kam auf 51 zu 44 Prozent. Auch mehrere andere Umfragen sahen El-Sayed vorne, allerdings mit unterschiedlichen Abständen.

4. Kansas: Adam Hamilton gegen Roger Marshall

Demokratischer Kandidat: Adam Hamilton
Republikanischer Kandidat: Roger Marshall

Kansas ist traditionell republikanisch geprägt. Dass die Demokraten dort überhaupt konkurrenzfähig sind, unterstreicht die Bedeutung der aktuellen nationalen politischen Stimmung.

Eine CNN-Umfrage vom 29. Oktober sah Hamilton mit 49 zu 45 Prozent vorne. Andere Umfragen zeigten ein engeres Rennen oder einen leichten Vorsprung für Marshall.

5. Alaska: Mary Peltola gegen Dan Sullivan

Demokratische Kandidatin: Mary Peltola
Republikanischer Kandidat: Dan Sullivan

Alaska ist ein weiterer wichtiger Bundesstaat. Die frühere demokratische Abgeordnete Mary Peltola fordert den republikanischen Senator Dan Sullivan heraus.

Eine Umfrage von PPP, die Mitte Oktober veröffentlicht wurde, sah Peltola mit 48 zu 47 Prozent knapp vorne. Andere Umfragen ergaben ein sehr enges Rennen. Der RealClearPolling-Durchschnitt aus dem Zeitraum vom 8. bis 21. Oktober sah Peltola mit einem Vorsprung von etwa 1,2 Prozentpunkten vorne.

(Christian Klosz; erstellt unter Mithilfe von KI-Recherche.)

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