Während sich ein großer Teil der Bevölkerung bezüglich Covid-19 weiterhin in Scheinsicherheit wiegt, zeichnen Daten ein anderes Bild: Eine kanadische Studie aus dem Jahr 2023 unter dem Titel „Experiences of Canadians with long-term symptoms following COVID-19“1 kommt zu der Erkenntnis, dass das Risiko, an Long Covid zu erkranken, mit jeder weiteren Covid-Infektion steigt.

Beträgt es laut der Studie nach der 1. Infektion rund 15%, steigt es nach der 2. auf 25% und nach der 3. Infektion auf 38% (siehe Grafik oben). Auch das WHN (World Health Network) zitiert die Studie in einem kürzlich veröffentlichten Paper, das den aktuellen Wissens- und Forschungsstand zu Covid-19, Long Covid und Prävention zusammenfasst: „Die zunehmend negativen Auswirkungen wiederholter Infektionen wurden kürzlich in einer kanadischen Studie hervorgehoben. (…) In der allgemeinen Bevölkerung betrug die Wahrscheinlichkeit, symptomatisches Long COVID nach der ersten Infektion zu entwickeln, etwa 15 %, nach der zweiten Infektion 25 % und nach der dritten Infektion 38 %. Die Hälfte der Betroffenen berichtete, dass sich ihre Symptome im Laufe der Zeit nicht verbessert hätten, und zwei Drittel erhielten keine angemessene medizinische Versorgung.“ 2

Das_Medium wird in den kommenden Tagen ausführlicher über das WHN-Paper und dessen Erkenntnisse berichten. (ck)

Ergänzende Einordnung, 31.7. 17:25:

Die oben zitierte kanadische Studie beruht auf der Selbstauskunft von Betroffenen, d.h. sie wurden gezählt, wenn sie nach einer (1., 2., 3.) Covid-Infektion bei sich Long-Covid-Symptome (die bekanntlich vielfältig sind, auch die Schwere betreffend) feststellten. Mehrfach gab es die Kritik, dass diese Zahlen deshalb nicht eindeutig genug sein können. Dazu einige Überlegungen: 1. Ist bekannt, dass Long Covid auch von erfahrenen Ärzten oft nicht diagnostiziert wird, falsch diagnostiziert wird oder andere Scheinerklärungen dafür gefunden werden (bis hin zur Psychosomatisierung). Vielen Betroffenen wird nicht „geglaubt“. Insofern sind auch „offizielle“ Zahlen ungenau, es gibt eine enorm hohe Dunkelziffer. Im Zweifelsfall ist die Selbstauskunft in der aktuellen Situation als ein validerer Gradmesser anzusehen als eine ärztliche Diagnose (z.B. durch den Hausarzt). 2. Liegt der durch Selbstangabe ermittelte Wert von 15% Long Covid nach der 1. Infektion im guten Mittel vieler Studien und „offizieller“ Statistiken. Daraus lässt sich auch eine gewisse Validität der anderen Zahlen ableiten. 3. Gibt es Erhebungen aus den USA, die die Prävalenz von Long Covid in manchen Regionen tatsächlich bei über 30% beziffert. So „abwegig“ erscheint ein Wert von 38% dann nicht mehr. 4. Ist zu beachten, dass Long Covid nicht gleich Long Covid ist. Es gibt schwere Fälle, bei denen die Betroffenen bettlägerig sind und keinem normalen Alltag mehr nachgehen können. Es gibt aber auch „leichte“ Fälle, etwa zeitweise auftretende Gedächtnisprobleme, geminderte Kondition, chronischer Husten, oftmalige Infekte usw. Diese schränken die Gesundheit und das Leben der Betroffenen ein, sind nach „außen“ aber oft nicht sichtbar und den Betroffenen ist in gewissem Rahmen weiterhin ein relativ „normales“ Leben möglich. 5. Selbst wenn man die Werte als zu hoch ansieht und sich auf wissenschaftlich mehrfach bestätigte Erkenntnisse stützt: Von einem Minimalwert von 5% Long Covid-Prävalenz bei Erstinfektion wird in allen seriösen Studien ausgegangen. Rechnet man diesen Wert hoch, käme man immer noch auf knapp 13% Long Covid-Wahrscheinlichkeit nach der 3. Infektion.

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Titelbild: (c) Statistics Canada

  1. Kuang, S. et al. Experiences of Canadians with long-term symptoms following COVID-19. Statistics Canada, Canadian COVID-19 Antibody and Health Survey – Follow-up Questionnaire (2023). ↩︎
  2. https://whn.global/scientific/sars-cov-2-und-covid-19-von-der-krise-zur-losung/#165 ↩︎

2 Antworten zu „Kanadische Studie: 38% Long Covid-Risiko nach 3. Infektion“

  1. […] Im Zuge der im Laufe des Jahres 2022 einsetzenden, kollektiven Verdrängung von Corona, Long Covid und Co. gerieten sie weitgehend in Vergessenheit und wurden zunehmend als Artefakte betrachtet, die […]

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  2. […] Im Zuge der im Laufe des Jahres 2022 einsetzenden, kollektiven Verdrängung von Corona, Long Covid und Co. gerieten sie weitgehend in Vergessenheit und wurden zunehmend als Artefakte betrachtet, die […]

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