Von Donald Trump ist man den Vorwurf gewohnt: Die Wahl sei „rigged“, sagte er nach der Niederlage 2020 – und diesmal gleich vorsorglich einige Tage vor der Wahl. Als sich sein Sieg abzeichnete, verstummten die Aussagen wenig überraschend. Nun diskutieren aber vor Allem Unterstützer der Demokraten in Sozialen Medien, ob es einen Betrug gegeben haben könnte – auf „ihrer“ Seite. Was liegt dahinter?

Die Vorwürfe beziehen sich auf 2 Beobachtungen:

Zum einen erscheint die Wahlbeteiligung unerwartet niedrig, vor allem im Vergleich zu 2020: Bisher wurden ca. 140 Mio. Stimmen gezählt, 2020 waren es (nach Rekordbeteiligung) am Ende 154 Mio. gewesen. Zu beachten ist hier allerdings, dass noch nicht alle Stimmen ausgezählt wurden! Im großen Bundesstaat Kalifornien etwa sind bisher erst 55% der Stimmen gezählt. Wenn (in den kommenden Tagen) die Auszählung abgeschlossen ist, könnte sich der Gesamt-Count wieder bei etwa 150 Mio. einpendeln.

Trotzdem wäre die Beteiligung niedriger als erwartet wurde: Denn heuer ließen sich gesamt über 210 Mio. Wähler registrieren, eine Voraussetzung, am Ende auch wählen zu dürfen. 2020 waren es nur 168 Mio. registrierte Wähler gewesen, von denen eben 154 Mio. ihre Stimme abgaben. Laut derzeit absehbarem Stand wären es heuer dann 210 Mio. registrierte Wähler gewesen, eine massiver Zuwachs bei gleichzeitig weniger abgegebenen Stimmen, etwa 150 Mio. Zu erwähnen ist auch, dass die Zahl der generell Wahlberechtigten insgesamt seit 2020 um knapp 10 Mio. angestiegen war. Gerade in Hinblick auf Berichte der letzten Wochen und Tage über „Rekordbeteiligung“ am „early vote“ und Schlangen vor Wahllokalen wäre ein Rückgang absoluter Stimmen schon eine Überraschung.

Während sich obige Beobachtungen mitunter erklären lassen, ist Beobachtung Nummer 2 noch um einiges fragwürdiger: Seit gestern Abend (unserer Zeit) häufen sich in sozialen Netzwerken Berichte von Wählern, deren Stimmen offenkundig nicht gezählt oder „zurückgeschickt“ wurden, insbesondere in den „Swing States“ und vor allem in Bezug auf Wahlkarten. Wähler können die korrekte Zählung ihrer Stimme online auf einer Website einsehen und überprüfen. Nun gibt es haufenweise glaubhafte Berichte, dass dies nicht geschehen sei.

Bestärkt werden die Bedenken dadurch, dass die Wahlbehörde in Pennsylvania öffentlich kommuniziert hatte, dass es technische Probleme bei der „digitalen Erkennung“ von Wahlkartenstimmen gab und gibt. Dem nicht genug: Gestern war auch von großen US-Medien berichtet worden, dass es Probleme bei der Erkennung von Unterschriften von Wählern gab. Ob das alles Zufälle und Einzelfälle sind, die sich auch in offiziellen Statistiken abbilden (wenn etwa ein Staat als nur zu 99% ausgezählt gilt), oder es sich um ein großes, flächendeckendes Problem handelt, ist bisher nicht zu beurteilen. Auch nicht, in welcher Dimension sich die „fehlenden Stimmen“ bewegen. Unklar ist ebenso, wer oder was für die technischen Probleme verantwortlich ist, ob es sich lediglich um interne „Softwarefehler“ handelt, oder durch Hacker herbeigeführte. Die US-Behörden sollten in jedem Fall so schnell wie möglich für Aufklärung sorgen. (red)

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Bildquelle: Photo by Edmond Dantu00e8s on Pexels.com

Eine Antwort zu „„Fehlende Stimmen“: Könnte es in den USA Wahlbetrug gegeben haben?“

  1. […] gab kurz nach der Wahl auch weitere „Verschwörungstheorien“ (hier im Überblick). Einige davon ließen sich inzwischen weitgehend widerlegen, bei anderen bleibt eine Einordnung […]

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