Dem an Tiefpunkten bereits reichen politischen Jahr 2023 in Österreich fügte sich gestern ein weiterer, negativer Höhepunkt hinzu: Die Regierungsspitze rund um Kanzler Karl Nehammer hielt eine Pressekonferenz unter dem Titel „Nach Corona“ ab, wo gemeinsam mit der ÖAW die Ergebnisse eines dubiosen „Aufarbeitungsprozesses“ „nach“ der Pandemie präsentiert wurde. (Zur Info: Die WHO hat die Pandemie nie beendet und spricht in Bezug auf die Corona-Krise immer noch von einer solchen.) Wenige Stunden davor empfahl Gesundheitsminister Rauch Corona-Tests und Masken für die Weihnachtsfeiertage, wegen der großen Corona-Welle, die aktuell in Österreich wütet. Er selbst war bei der PK nicht anwesend, warum ist nicht überliefert. Vielleicht wollte er auch nicht erklären, warum er Maske und Test empfiehlt, wenn doch Corona vorbei ist.

Begleitet wurde das Schauspiel von einem hustenden und rotzenden Kanzler, der aber gleich Entwarnung gab: Es sei „nur ein grippaler Infekt“. Nachprüfen kann das keiner. Selbst wenn stellt sich die Frage, warum sich ein führender Politiker in offensichtlich desolatem Gesundheitszustand wenige Tage vor Weihnachten vor die Kamera und Journalisten stellt, das Risiko eingeht, andere anzustecken und sich nicht einfach zuhause auskuriert. Normal ist bei Nehammer bekanntlich aber schon lange nichts mehr.

Angesichts einer Politik, die auf kognitive Dissonanz als ideologischer Leitfaden baut, dürfen wir uns im neuen Jahr vermutlich auf weitere Veranstaltungen freuen: Eine Pressekonferenz von einem geschmolzenen Tiroler Gletscher unter dem Titel „Klimahysterie – nein danke!“ wäre eine Option. Auch ein Symposium zum Thema „Der erfolgreiche Triumph über die Inflation“ aus einem österreichischen Sozialmarkt wäre toll. Oder ein Medientermin in einer überfüllten Spitals-Notaufnahme zwischen Gangbetten mit dem Namen „Der erfolgreiche österreichische Weg im Gesundheitswesen“.

Man könnte es auch auf die Spitze treiben und Nationalratspräsident Sobotka eine Tagung zum Thema „Korruption – Nein danke!“ abhalten lassen, mit Sebastian Kurz als Key Speaker. Aber das wäre dann doch zu viel des Guten. Oder?

von Christian Klosz

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Bild: Fotomontage / Screenshots Medien

Eine Antwort zu „Politische Schizophrenie in Österreich: GM Rauch empfiehlt Maske & Tests wegen Corona-Welle, BK Nehammer hält „Nach Corona“-Pressekonferenz ab“

  1. Rauch war doch im Bundesrat. Wurde da nicht gestern die unter anderem von Greil stark kritisierte Gesundheitsreform beschlossen? Dann könnte es sich wieder einmal um ein Ablenkungsmanöver gehandelt haben.

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