Gastbeitrag von Gert Bachmann
Einleitung
Nach dem Sommer 2023 wurde mit 25.05.23 im staatlichen AGES- Dashboard Österreichs zur Covid19 Pandemie der letzte Datensatz veröffentlicht. Die offizielle 7 Tage 100k Einwohner-Inzidenz lag damals bei 25.
Seit dem März 2022 waren durch staatliche Rationierung der niederschwelligen PCR Testungen durch Minister Johannes Rauch die sogenannten Humansignale so weit zurückgegangen, dass diese Inzidenz, geschätzt ausgehend vom Abwasser-Genkopiesignal („Abwasserdaten“) des Frühjahres 2022, wohl eher beim zehnfachen Wert, 223, gelegen haben dürfte, was einer täglichen Neuinzidenz von 2861 entsprochen hätte.
Die Rauch ́sche Anlassgesetzgebung zur Beendigung der Covid19-Meldepflicht wurde dann dazu genutzt, auch die Erfassung der Covid-Toten (ganz im Gegensatz zur Erfassung der Grippetoten) ab Juni 2023 nicht mehr zu veröffentlichen. Dies wohl, um das Regierungs-Credo der „beendeten Pandemie“ nicht zu konterkarieren.
Zur weiteren Abschätzung der Pandemie in Österreich blieben also nun nur noch die Abwasserdaten aus dünngesäten 48 Beprobungspunkten und ab KW 19 2023 die erfassten stationären Spitalsaufnahmen mit Primärdiagnose Covid19 und retrospektive Korrelationen zu zuvor erfassten Daten im AGES-Covid-Dashboard.
Methode der Datenberechnung
Aus der Gegenüberstellung der täglichen Covid-Sterbefälle vor 25.05.23 mit den Abwasser-Genkopie-Summensignalen (Millionen Genkopien pro Tag pro EW (Wien)) ergibt sich ein medianer Faktor (Divisor) von 23, der zur Schätzung der täglichen Cov-19 Sterberate herangezogen werden kann (Abb.1).

Aus der Gegenüberstellung des medianen Verhältnisses von Humansignal und Genkopien aus dem Abwassermonitoring (Frühjahr 2022) ergibt sich ein konservativer Faktor von 6 -9,5, im Median 7, mit dem die Werte für Mio. Genkopien pro Tag pro EW multipliziert werden können (Abb.3.), um zu einer Schätzung der rezenten Corona-Inzidenz (100.000 Personen / 7 Tage) zu kommen. Dieser Wert kann entsprechend der Einwohnerzahl Österreichs zunächst mit 90 multipliziert und dann durch 7 gebrochen werden, um zu einer Schätzung der täglichen Neuinzidenz (Neuinfektionen) zu kommen.

Ergebnisse
Diese Schätzungen lassen vermuten, dass wir in Österreich zur Zeit bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1375 und einer täglichen Neuinzidenz von 17676 stehen (siehe Abb.2 oben).
Die tägliche Sterberate läge heute bei rund 10 Personen, was im Median der letzten beiden Wochen einer wöchentlichen Sterberate von rund 60 entspricht. Sprich: Pro Woche versterben derzeit rund 60 Personen an Covid19.
Der Vergleich mit dem SARI-Dashboard Österreichs und Daten des US NCHS legten nahe, dass 10-20 % der mit Primärdiagnose Covid19 im Spital aufgenommenen Personen dies nicht überlebt haben (Abb.3, unten).

Bisher starben 2023 geschätzt mehr als 1400 Menschen an Covid19, davon mehr als 850 nach dem Dokumentationsende im Juni 2023 (Abb.4).

In der logarithmischen Darstellung, wird deutlich, dass sich die aktuelle Covid-Welle in Österreich in exponentiellem Wachstum befindet (Abb. 5, unten).

Diskussion – Fazit – Ausblick
Die derzeitige Entwicklung der ungebremsten Covid19 Pandemie in Österreich legt nahe, dass:
1. Das zu erwartende Inzidenzniveau samt Spitalsbelastung bereits gleich hoch wie im Herbst 2022 ist und dies noch übertreffen könnte.
2. Die derzeitige exponentielle Inzidenzentwicklung ein Ende der Dokumentation von Todesfällen bei Covid19 Patent/innen als wissenschaftlich und ökonomisch sehr fragwürdig erscheinen lässt.
3. Eine sogenannte Herdenimmunität in Österreich niemals erreicht wurde noch werden kann – und deshalb weder von einem Pandemieende in Österreich (noch irgendwo auf der Welt), von einer „Milde“ der Omikron- Varianten oder von einem guten Leben mit diesen ohne Prävention die Rede sein kann.
Stand der Daten FR, 3.11.2023
Quellen:
1 https://abwassermonitoring.at/dashboard
2 https://www.sari-dashboard.at/opendata
3 https://www.cdc.gov/nchs/covid19/nhcs/hospital-mortality-by-week.htm
Zum Autor: Ass.-Prof. Dr. Gert Bachmann ist Biochemiker und Biostatistiker und tätig am Zentrum für Ökologie der Fakultät für Lebenswissenschaften der Universität Wien
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