Viele Jahre wussten die Gegner Donald Trumps nicht, wie sie mit dessen „originellem“ Kommunikationsstil umgehen sollten. Gerade die US-Demokraten folgten lange Zeit dem Credo „when they go low, we go high“, sprich: Man wolle sich nicht auf das Niveau dieser Unkultur aus Beleidigungen und Beschimpfungen einlassen. Funktioniert hat diese Strategie ganz offenkundig nicht.
von Christian Klosz
Warum nicht? Weil ihr ein Denkfehler zugrunde lag: In „Friedenszeiten“, in denen eine rationale, auf sachlichen Argumenten gründende Diskussionskultur den öffentlichen Raum beherrscht, in denen sich die Mehrheit darauf verständigt hat, dass „das bessere Argument“ gewinnt, reicht ein sich seiner moralischen Überlegenheit bewusstes Achselzucken aus, um minderwertigen (Schein-)Argumenten oder primitiven Untergriffen zu begegnen. In der westlichen Hemisphäre war diese Diskussionskultur, dieser Zugang zur Erkenntnisgewinnung nach dem 2. Weltkrieg bis vor rund 10 Jahren selbstverständlich – und hegemonial.
Das Prinzip Lüge als Maxime
Seit 2015 veränderte sich daran etwas, erst schrittweise, seit Beginn der Corona-Pandemie 2020 und insbesondere seit 2022 umso schneller. Trumps Rückkehr ins Weiße Haus, seine Übernahme der USA und deren öffentlicher Institutionen vor 8 Monaten, die man auch „Coup“ nennen könnte, sind (oder waren) der Höhepunkt und Tiefpunkt einer Entwicklung, die die Lüge und deren Verbreitung zur Maxime erklärte.
„Flood the zone with shit“ – nicht mehr das, was richtig war, durch Daten und Fakten belegt und erwiesen, zählte, sondern das, was am lautesten und dreistesten gebrüllt wurde. Im öffentlichen Diskurs, zumindest im digital sichtbaren, und jedenfalls in den USA, hatte sich die Hegemonie verschoben. Der Zugang zur Wirklichkeit, der auf Fakten, Argumenten, Regeln rationaler Kommunikation und grundlegenden Umgangsformen basierte war ins Hintertreffen geraten.
Trump Neo-Barbarismus flutete die politische „Zone“
Die Vertreter dieses Zugangs waren plötzlich nicht mehr in der klaren Mehrheit, selbst wenn die Hegemonie der Neo-Barbaren nur fiktiv sein sollte, faktisch nicht belegbar, selbst wenn eine Mehrheit der US-Amerikaner den Trumpismus weiterhin ablehnt: Es reichte aus, das „Narrativ“ zu schaffen. Wer permanent lügt, um seine Ziele zu erreichen, wird konsequenterweise auch bezüglich seiner eigenen Bedeutung lügen und sich größer machen, als er ist.
Aus dieser möglichen Fiktion wurde aber jedenfalls Faktisches, da die US-Demokraten – die logische Opposition zu Trump – lange Zeit geradezu hilflos und völlig passiv agierten. Sie verstanden nicht, dass sie und der in der Partei zumindest noch mehrheitlich verankerte Zugang, den man schlicht auch „Demokratie“ nennen könnte, nicht mehr selbstverständlich war.
Wer aber am Rande einer Schlägerei steht, bei der ein Bully wild um sich schlägt und „Schwächere“ attackiert – und sich damit begnügt, nonchalant seine eigene moralische Überlegenheit zu betonen, macht sich in gewisser Weise zum Mittäter: Er sieht zu, wie Gewalt geschieht, greift aber nicht ein. Um einem klaren Aggressor beizukommen, braucht es andere Mittel als „nett Zureden“ oder „Naserümpfen“.
Parodie als politisches Mittel
Der erste, der das verstanden zu haben scheint, ist Gavin Newsom, Gouverneur von Kalifornien – und in in den letzten Wochen zum mächtigsten Gegner Trumps in den USA aufgestiegen: Er und sein Kommunikationsteam scheinen die „Zauberformel“ entschlüsselt zu haben, wie man dem MAGA-Irrsinn beikommt.
Das Rezept: Eine clevere Mischung aus satirischer „Mockery“, die sich über Trumps dummen Kommunikationsstil lustig macht, dessen Banalität offenlegt – und über diesen Umweg subversiv Debatten zu relevanten Themen wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Newsoms Team operiert mit hyperbolischer Parodie. Es begibt sich (vermeintlich) auf Trumps Niveau, um ihn mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Das ist aber nur ein „Act“, Newsom meint das alles natürlich nicht so, im Gegenteil.

Es ist geradezu bemitleidenswert, wie unfähig MAGA-Fans, Trumps Umfeld und Trump-affine Kommentatoren auf diesen genialen Schachzug reagieren: Sie scheinen die Hintergedanken tatsächlich nicht verstehen zu können, sei es aus intellektueller Beschränktheit oder weil sie selbst zu tief im „MAGA-Gaga-Sumpf“ stecken und jegliches Gefühl für die Wirklichkeit verloren haben.
Gavin Newsom bekämpft „Feuer mit Feuer“
Newsom sagt, er will „Feuer mit Feuer“ bekämpfen. Angesichts eines immer offener seine autoritären Tendenzen zeigenden US-Machthabers, der zugleich mit erschreckender Geschwindigkeit seine verbleibenden kognitiven Fähigkeiten abzubauen scheint, ist das die einzig richtige Taktik.
Der Erfolg gibt Newsom recht: Im „Social Media Game“ übertreffen seine Posts und die seines „Press Accounts“ nun regelmäßig die Like- und Interaktions-Raten republikanischer Mitstreiter und Trump-Apologeten, die im gleichen Atemzug lächerlich gemacht werden. Nun erscheinen sie plötzlich hilflos und „schwach“. Durch Newsoms Schachzug haben nun auch die US-Demokraten endlich eine kommunikative Waffe gegen Donald Trump in der Hand. Es war höchste Zeit.
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Titelbild: (c) Government of California – Governor of California – Governor Newsom Inaugurated to Second Term in Celebration of California’s Values, Diverse Communities, Public Domain, Link
Textbild: (c) Das_Medium / KI-erstellt





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