Upgedatete Version vom 6.6.2025.
Noch in der Nacht des 5.11. 2024 gab es erste verstörende Nachrichten in Bezug auf den Ablauf der US-Wahlen: Die offizielle Wahlbehörde von Pennsylvania etwa teilte mit, dass es technische Probleme bei der „Umwandlung“ digitaler Wahlstimmen gegeben habe. Auch hieß es, dass tausende Stimmen von vor allem jungen Wählern nicht gezählt werden konnten, da deren händische Unterschriften nicht verifizierbar seien. Darüber berichteten auch CNN und andere große Medien, es wurde von US-Journalisten mit süffisanten Scherzen quittiert, dass die „digital natives“ noch nie händische Unterschriften getätigt hätten und daher nicht wüssten, wie das gehe.
von Christian Klosz
Wurde die US-Wahl manipuliert?
Auf Twitter/X und anderen Plattformen zeichnete sich ein anderes Bild ab: Viele (Großteils glaubwürdige) Posts und Videos von US-Bürgern wiesen darauf hin, dass der Online-Check, ob ihre Stimme gezählt wurde, negativ verlief (die US-Behörden bieten eine Website, wo Wähler nachsehen können, ob ihre Stimme registriert wurde). Entsprechende Berichte gab es auch noch Wochen nach Ende der Wahl. Nun können das alles Einzelfälle sein, zumindest aber sollten sie aufgeklärt werden, denn in einer fairen Wahl sollte jeder Bürger das Recht und die Sicherheit haben, dass seine Stimme zählt.
Wie sich dieses Problem „nicht gezählter Stimmen“ inzwischen entwickelt hat, lässt sich aus der Ferne nicht verifizieren, auch weil keines der großen US-Medien das Problem aufgegriffen hatte.
Nur Verschwörungstheorien – oder doch mehr?
Es gab kurz nach der Wahl auch weitere „Verschwörungstheorien“ (hier im Überblick). Einige davon ließen sich inzwischen weitgehend widerlegen, bei anderen bleibt eine Einordnung schwierig und bleiben Fragen offen.
Längere Zeit kursierte das Gerücht von „20 Millionen fehlenden Stimmen“, vor allem in Bezug auf Kamala Harris, die viel weniger Stimmen als Joe Biden vor 4 Jahren erhalten habe, wie es hieß – was der Beleg für einen „republikanischen Wahlbetrug“ wäre. Das Problem dabei: Die Vertreter dieser Theorie beriefen sich auf vorläufige Zahlen, in Kalifornien etwa waren zu dem Zeitpunkt noch Millionen Stimmen nicht ausgezählt gewesen. Inzwischen und nach Zählung aller Stimmen hat sich diese Theorie in Luft aufgelöst. Harris erhielt zwar weniger Stimmen als Biden, der Unterschied beträgt aber wenige Millionen.
Was allerdings weiterhin zumindest überraschend erscheint, ist dass bei der US-Wahl 2024 insgesamt weniger Stimmen abgegeben wurden als 2020, obwohl vielerorts an den Wahlurnen von „record turnouts“ berichtet wurde, obwohl die Zahl der Wahlberechtigten insgesamt gegenüber 2020 gestiegen war und sich viele Millionen Menschen mehr vor der Wahl für diese registrieren ließen.
Alarmierte Datenexperten schrieben Brief an Harris
Am beachtlichsten in dem Kontext – und vor allem substanziell – ist der Brief, den namhafte US-Datenexperten kurz nach der Wahl an die Demokraten und an Kamala Harris schrieben: Sie verweisen auf Anzeichen, dass die Sicherheit der Wahl nicht gewährleistet war und fordern dringend eine Neuauszählung in einigen Bundesstaaten, zumindest in Michigan, Nevada, Wisconsin, und Pennsylvania, um mögliche Irregularitäten ausschließen zu können:
„We write to alert you to serious election security breaches that have threatened the security and integrity of the 2024 elections, and to identify ways to ensure that the will of the voters is reflected and that voters should have confidencein the result.“
Die Experten verweisen auf (belegte) Versuche in den letzten Jahren von Trump-Allies, sich Zugang zu der Wahlsoftware zu verschaffen, vorgeblich unter dem Motiv, eine mögliche Wahlmanipulation zugunsten von Joe Biden 2020 zu untersuchen. Die Experten sprechen von „bekannten und dokumentierten software breaches“ (Datendiebstähle) und berufen sich insbesondere auf einen Vorfall aus dem Jahr 2022 in Georgia:
„In 2022, records, video camera footage, and deposition testimony produced in a civil case in Georgia disclosed that its voting system, used statewide, had been breached over multiple days by operatives hired by attorneys for Donald Trump. The evidence showed that the operatives made copies of the software that runs all of the equipment in Georgia, and certain other states, and shared it with other Trump allies and operatives.“
Der Vorfall war, so die Unterzeichner des Harris-Briefs, Teil einer größeren Unternehmung der Trump-Seite, die US-Wahlsoftware zu kopieren und zu kompromittieren. 3 Jahre lang hätten Trump und seine Verbündeten so Zugang zu der zentralen Wahlsoftware gehabt, die in 70% der US-Gebiete zum Einsatz kommt. Das Problem dabei:
„Possessing copies of the voting system software enables bad actors to install it on electronic devices and to create their own working replicas of the voting systems, probe them, and develop exploits. Skilled adversaries can decompile the software to get a version of the source code, study it for vulnerabilities, and could even develop malware designed to be installed with minimal physical access to the voting equipment by unskilled accomplices to manipulate the vote counts. Attacks could also be launched by compromising the vendors responsible for programming systems before elections, enabling large-scale distribution of malware.“
Der Zugang zu der Software hätte also Tür und Tor geöffnet, diese Software zu manipulieren und damit auch die Zählung des Ergebnisses zu verändern.
Der gesamte Brief: https://freespeechforpeople.org/wp-content/uploads/2024/11/letter-to-vp-harris-111324-1.pdf
Beinahe unmöglich: Alle Swing States gingen an Trump
Die Experten konnten keine Belege vorlegen, es handelte sich um Indizien. Die aber legten zumindest nahe, dass das Ergebnis in den betroffenen Bundesstaaten neu ausgezählt werden hätte sollen, wie das an sich nicht unüblich ist. Warum die Demokraten das nicht aufgriffen, bleibt unverständlich.
Auch wenn man auf die nackten Zahlen in den Swing-States blickt, sind diese zumindest mehr als beachtlich: Vor allem der Fakt, dass am Ende alle 7 sogenannten Swing-States an Donald Trump gingen. Es war 4 Jahrzehnte nicht vorgekommen, dass ein Kandidat alle diese Staaten gewinnen konnte.
Ein Datenspezialist wird auf der Website planetcritical.com, die sich ausführlich mit dem Thema befasst hat, so zitiert:
„It’s north of a 35 billion to 1 probability that you could win seven out of seven outside of recount range with less than 50% of the vote.“
Also: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kandidat 7 von 7 Swing-States gewinnt, und das mit derart deutlichem Vorsprung, während er insgesamt unter 50% aller Stimmen bekommen hat (was bei Trump der Fall ist), ist unter 1 zu 35 Millionen.
Bemerkenswert ist hier auch, dass in den gleichen Staaten die Demokraten die meisten anderen Rennen (etwa um den Senat) für sich entscheiden konnten. In 5 der 7 Swing-States wurden Senats-Wahlen abgehalten: In Arizona, Nevada, Wisconsin, Michigan und Pennsylvania. In 4 davon (bis auf Pennsylvania) konnten sich die Demokraten durchsetzen, während in der Präsidentschaftswahl Trump alle für sich entscheiden konnte. Dass Wähler ihre Stimmen aufsplitten und verschiedene Wahlen unterschiedliche Ergebnisse bringen, ist nicht per se ungewöhnlich, in der Deutlichkeit aber beachtlich.
Das Problem der „Bullet Ballots“
Auf erwähnter Website wird auch auf das Problem der sogenannten „Bullet Ballots“ eingegangen: Mit Bullet Ballots sind Stimmzettel gemeint, die nur den Namen des gewünschten Präsidenten enthalten, sonst aber nicht weiter ausgefüllt sind.
In der Regel bewegt sich die Zahl der so ausgefüllten Wahlunterlagen bei etwa 1% aller Wahlzettel. Der Experte Stephen Spoonamore berechnete, dass in den Swing-States Arizona und Nevada plötzlich weit über 5% solcher Bullet Ballots existierten. Seine Theorie dahinter: Durch Sicherheitslücken oder Manipulation der Wahlsysteme wurden diese Ballots mit Stimmen nur für Trump hinzugefügt, um ihn in den States vor Harris zu bringen. Das würde dann auch erklären, wie und warum Trump die Swing States gewinnen konnte, während die Demokraten die meisten anderen Abstimmungen in diesen Staaten gewannen.
Belege außer eigene Berechnungen lieferte Spoonamore aber keine. Und in einem upgedateten Artikel auf der Website planetcritical.com wurden diese Angaben zumindest teilweise relativiert. Eine Überprüfung der Daten ergab, dass die Berechnungen in der Form nicht stimmten, der Experte widerrief zudem öffentlich seine vorigen Angaben. Für North Carolina, ebenso ein Swing State, etwa ergab sich anhand offizieller Daten zwar immer noch ein Wert von 2% für die Bullet Ballots. Höher als in der Regel – aber weit entfernt von den zuvor angegebenen 5 bis 7%, die eine Manipulation eindeutig nahegelegt hätten.
Welche Rolle spielte Elon Musk?
Eine weitere Theorie bezieht sich auf die Involvierung Elon Musks in Trumps Kampagne und einen möglichen Einsatz seiner Starlink-Technologie, um das Wahlergebnis zu beeinflussen. Diese Behauptungen stellten sich aber laut Experten als weitgehend substanzlos heraus, da die US-Wahlsysteme in der Regel nicht mit dem Internet verbunden sind und so die Hypothese, dass Musk seine Technologien eingesetzt haben könnte, um das Ergebnis während des Auszählungsprozesses zu „drehen“, als sehr unwahrscheinlich eingestuft wurde.
Wahlmanipulation durch ausländische Akteure
Auch wenn von offiziellen US-Behörden eingeräumt wurde, dass es im Zuge der Wahl vorher und währenddessen Versuche ausländischer Interventionen (v.a. durch Russland und Iran) gegeben habe, wurde eine allgemeine Manipulation in großen Stil durch andere Staaten aber ausgeschlossen.
Kürzlich stattgefunden Wahlen in Ost-Europa zeigten aber, wie Russland (erfolgreich) versuchte, Wahlen von außen zu manipulieren. In Georgien war dies der Fall gewesen. Und in Rumänien wurde die Präsidentenwahl nun sogar annulliert – wegen vermuteter Wahl-Beeinflussung und Unterstützung eines rechten Kandidaten durch das Putin-Russland.
Warum die USA ähnliche Vorgänge mit absoluter Sicherheit ausschließen können – bei bekannter Bewunderung Trumps für Putin und Russlands bekannten Interessen – bleibt fragwürdig.
Fazit: War die US-Wahl fair?
Ein endgültiges Fazit lässt sich nicht ziehen. Der Großteil der US-Medien geht davon aus, dass die Wahl fair ablief und entgegenstehende Behauptungen Verschwörungstheorien seien. Allerdings wurden viele der oben angeführten Fragen von den großen Medien überhaupt nicht beleuchtet oder überprüft.
In manchen Fällen lassen sich die Theorien und Hypothesen über eine mögliche Wahlmanipulation recht eindeutig widerlegen. In anderen bleiben zahlreiche Fragezeichen, insbesondere in Bezug auf schadhafte und möglicherwiese kompromittierte Wahlsysteme. Die entsprechende Analyse von Datenexperten wurde seriös durchgeführt und belegt.
Unverständlich bleibt daher, warum nicht zumindest in den betreffenden Swing-States Neuauszählungen gefordert wurden und sich die Demokraten mit Vehemenz dafür einsetzten. Eine genaue Überprüfung aller offenen Fragen würde nicht den Wahlprozess in Frage stellen (was die Befürchtung dahinter sein mag), sie würde vielmehr für Klarheit und Sicherheit sorgen.
Update: Kompromittierende Aussagen durch Musks Sohn, Trump – und Musk selbst
In den Monaten nach der Wahl und vor allem nach der Übernahme Trumps des Weißen Hauses tauchten in Medien immer wieder Aufnahmen auf, die einen zumindest die Stirn runzeln ließen. In einem Interview mit Elon Musk noch vor offiziellem Wahlende, bei dem auch dessen Sohn X anwesend war, verriet der kleine Musk wortwörtlich „If we’re in Space X and quietly just do whatever we want„. Auf die Frage, ob die „Hilfe“ für Trump gefruchtet habe sagt er „Yeah, I think it’s done“ und „They’ll never know“ („Sie werden es nie herausfinden“). Der Ausschnitt tauchte vor einigen Monaten in Sozialen Medien auf. Auf den Plattformen des Interviewers, Tucker Carlson, war exakt dieser Teil des Gesprächs nach dem Wahlabend dubioserweise verschwunden.
Auch Donald Trump war in den vergangenen Monaten mehrmals mit ähnlichen Aussagen aufgefallen: Im Kontext der Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sagte er bei einer Pressekonferenz mit FIFA-Boss Gianni Infantino sinngemäß, es wäre schade gewesen, wenn er da nicht Präsident gewesen wäre. Aber: „They rigged the election, and I became president.“ („Sie haben die Wahl manipuliert und ich wurde Präsident.“) (Kann man hier nachlesen.)
Es gab weitere Reden und Anlässe, wo er ähnliches sagte, es wirkte jedes Mal so, als sein ihm etwas „herausgerutscht“. Leider fragten Medien nicht nach oder hörten nicht genau hin. Im Jänner etwa hatte Trump bei seiner Inauguration Speech seinen damaligen Noch-Buddy Elon Musk gelobt und über ihn Folgendes gesagt: „He knows those computers better than anybody, all those computers, those vote counting computers, and we ended up winning Pennsylvania, like, in a landslide.“ Das Video der Aufnahme kann man HIER sehen.
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Musk: „Without me, Trump would have lost the election“
Gestern, am 5.6.2025, bestätigte Elon Musk selbst auf Twitter/X im Zuge seiner radikalen Abwendung von Trump, dass dieser ohne seine Hilfe die Wahl im November nicht gewonnen hätte (authentischer Screenshot unten). Ohne auf Details einzugehen, wie diese „Hilfe“ aussah (Musk würde sich damit ja selbst belasten) muss man das als Eingeständnis verstehen, dass Musk bei der Wiederwahl Trumps eine entscheidende Rolle gespielt hatte, und zwar über moralischen und finanziellen Support hinaus.

Zumindest im Kontext der zahlreichen, oben geschilderten Indizien erscheint das als wahrscheinlichste Lesart. Zumal ist Musks Tweets bemerkenswert spezifisch in Bezug darauf, welche Wahlen Trump / die Republikaner nur aufgrund seiner Unterstützung gewonnen hätten („Republicans would be 51-49 in the Senate“). Sollte sich seine Aussage auf „allgemeine Unterstützung“ im Wahlkampf oder durch seine Plattform Twitter/X beziehen, würde Musk wohl kaum derart exakte Aussagen treffen (können), welche Senatoren ihre Wahlen nur aufgrund seiner Unterstützung gewinnen konnten.
Elon Musk hat hier öffentlich und vor aller Welt bestätigt, dass Trump ohne seine Mithilfe die Wahl verloren hätte. Angesichts der bisher bekannten Indizien liegt die Einschätzung nahe, dass Musk bei der Wahl Donald Trumps mit unlauteren Mitteln nachgeholfen hat.
Inzwischen greifen auch diverse US-Medien und namhafte US-Journalisten diese Aussage auf und fordern Aufklärung und eine genauere Untersuchung. Es wäre höchste Zeit.
Der Beitrag erschien erstmals im Dezember 2024 bei Das_Medium und wurde am 6.6.2025 überarbeitet und upgedatet.
Titelbild: Screenshot Youtube / Textbild: Screenshot Twitter/X






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