Manche hielten es für einen Gag, als er dann heute gegen 14:30 wirklich vor den Kameras stand, war klar: PR-Berater Rudi Fußi meint es ernst mit seinem Plan, die SPÖ zu übernehmen. In einer knapp 40-minütigen Grundsatzrede stellte er seine Vision für eine „neue Sozialdemokratie“ vor und bekräftigte sein Vorhaben, eine Mitglieder-Abstimmung über den Vorsitz der Partei zu erzwingen. Dafür muss er nun gut 14.000 Unterschriften sammeln.

von Christian Klosz

Die Pressekonferenz war insofern etwas seltsam, als man Fußi nicht in dieser Rolle als „seriöser Politiker“ kennt und sich auch nur schwer damit anfreunden kann. Bekannt ist er für seine oft emotionalen und wortgewaltigen Ausbrüche, die er in der Regel im Boulevard-TV zum Besten gibt. Ob und wie er die Wandlung zum staatstragenden Parteichef schaffen will, ist schwer vorstellbar.

Inhaltlich hatte Fußi einiges Treffendes zu sagen: Er beklagte, dass sich die „politische Klasse“ von den Bedürfnissen und Realitäten der Bevölkerung entfernt habe, dass das Land vor massiven Herausforderungen stehen würde, ohne politische Lösungen dafür zu haben. Als Beispiele nannte er den desolaten Zustand des Gesundheitswesen, des Schulwesens und auch die kriselnde Wirtschaft. Die „Rede“ hatte Substanz und man erkannte in Stil und Tonalität gewisse Parallelen zur „Plan A“-Rede, die Fußi bekanntlich für Christian Kern mitgeschrieben hatte. Trotzdem drängte sich der Eindruck auf, Fußi war in der zweiten Reihe als Wortgeber besser aufgehoben.

Warum kandidiert er also, und warum genau jetzt? Man kann versuchen, den Auftritt zu deuten, besonders das, was zwischen den Zeilen gesagt wurde. Zum einen mag da tatsächlich ein gehöriges Maß an Wut über die SPÖ, „meine Partei“, wie Fußi immer wieder sagte, da sein, teils durchaus nachvollziehbar. Zum anderen Wut über die politischen Zustände in der Republik und die Absenz von Lösungsansätzen – absolut nachvollziehbar. Man kann sich gut vorstellen, dass die Entscheidung, zum Vorsatz zu kandidieren, ein emotionale Impuls war, ohne viel über die Konsequenzen nachzudenken.

Wohl kommt auch eine gewisse Egomanie und Größenwahn dazu, wenn man sich Fußis Äußerungen genauer anhört: Er gab sich sehr – vermutlich zu sehr – davon überzeugt, dass er der einzige sei, der die Sozialdemokratie retten könne. Über seinen „Freund“ Andreas Babler meinte Fußi, dieser habe sich mit seiner Übernahme „übernommen“. Ob eine innerparteiliche Revolution wirklich so einfach ist, wie sich Rudi Fußi das in seiner offenkundigen Hybris („Ich habe Cojones!“) ausmalt, wird sich zeigen.

Atmosphärisch war die Rede insofern schräg, da sie bei allgemeinen Themen etwas schizophren zwischen Aggression und Empathie, in Bezug auf die SPÖ zwischen Wertschätzung und geradezu Hass auf dieselbe zerrissen war. Fußi zog recht respektlos über die Leistung Bablers im NR-Wahlkampf her, um ihn danach doch wieder als „Freund“ zu bezeichnen, als „großen Sozialdemokraten“. Wenn man sich seine Forderungen im Detail ansieht, weichen sie nicht maßgeblich von jenen der Babler-SPÖ ab. Das zentrale Ziel ist auch hier „Erneuerung“ der Partei, an der Babler laut Fußi gescheitert ist. Warum gerade er das schaffen sollte, dafür gab es wenige Argumente. Außer jenes, das für Fußi selbst offenbar das bedeutendste ist: Weil er Rudi Fußi ist.

Hier kann man die Pressekonferenz nachsehen: https://on.orf.at/video/14246541/persoenliche-erklaerung-von-rudolf-fussi-zur-kandidatur-zum-spoe-vorsitz

Bild: Screenshot Youtube / (c) Rudi Fußi – Bussi Fussi

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