Vor gut 2 Jahren wurde in unseren Breiten der Slogan „Leben mit Corona“ zum geflügelten Spruch: Verbreitet von Politikern aller Couleur und Medien jeder Ausrichtung war es Ausdruck des Wunsches, die lästige Pandemie möge endlich zu Ende gehen, alles möge wieder normal sein, nun aber wirklich. Und da die Wirklichkeit dem Wunsch nicht folgen wollte, wurde der Wunsch zur neuen Wirklichkeit erklärt.

von Christian Klosz

Dass die tatsächliche Realität eine andere war und ist, wussten und wissen alle Informierten, jene, die in der Lage sind, Studien zu lesen und zu verstehen. Oder zumindest den Willen aufbrachten und -bringen, sich mit mitunter unangenehmen Fakten auseinanderzusetzen. Damals, 2022, war der Widerstand gegen die verordnete Verdrängung noch größer, Experten, Mediziner, Wissenschaftler getrauten sich, Bedenken anzumelden: Weiterhin zu gefährlich wäre das Virus, zu unklar die Forschungslage, zu groß das Long Covid-Risiko, um den achtlosen „Leben in Freiheit!“-Weg, der stets auf einer Pervertierung eines degenerierten Freiheitsbegriffs gründete und eine Normalitätssimulation darstellte, einzuschlagen.

Die Warnungen verhallten, zu groß war der Wille zur kollektiven Verdrängung, der Wunsch zur Rückkehr zu einer Normalität, die es nicht mehr gab, zu wenig resilient und lernfähig waren die politischen Systeme – und große Teile der Bevölkerung. Nun, gut 2 Jahre später, stehen wir mehr oder weniger am selben Fleck wie Mitte 2022, nur die Zahl der Corona-Toten, jener, die an Folgeschäden leiden oder durch diese verstarben, die Zahl der Long Covid- und ME/CFS-Erkrankten ist weiter massiv angestiegen. Inzwischen sind die Auswirkungen auch im Alltagsleben und in der Wirtschaft überall spürbar (Stichworte: Rekordkrankenstand, Gesundheitskrise, Bildungskrise).

Leben mit der Verdrängung

Für alle Vernünftigen, die sich seither unter dem Schirmbegriff „safe bubble“ zusammengefunden haben, wurde die Hauptherausforderung inzwischen – neben dem tatsächlichen Leben mit dem Virus – das Leben mit der kollektiven Verdrängung: Wie soll man dem Arbeitgeber klar machen, dass aufgrund der Weigerung, allgemeine Schutzmaßnahmen durchzusetzen (z.B. Luftfilter, CO2-Messgeräte), das individuelle Masken-Tragen die einzige Option bleibt, sich vor Ansteckungen durch andere zu schützen? Wie soll man Freunden klar machen, dass Treffen gerade in Infektionswellen sinnvollerweise nur nach vorangegangenem Corona-Test möglich sind, vorzugsweise im Freien? Wie soll man der Familie erklären, dass man an Familienfeiern nicht teilnehmen kann oder will? Und wie soll man selbst, allein oder mit Partner/in und Kindern, ein lebenswertes Leben führen, wenn einem die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben weitgehend verunmöglicht wird?

Dass all das auch anders ginge, zeigt ein Blick auf viele asiatische Gesellschaften, wo auch nach weitgehender Abschaffung verpflichtender Schutzmaßnahmen Masken zum Alltag gehören, kranke Menschen nicht auf die Idee kämen, ohne Maske in die Arbeit zu gehen, wo so mancher Supermarkt mit Luftfilteranlagen und sichtbaren CO2-Wert-Anzeigen ausgestattet sind, wo Ärzte und Experten weiterhin akkurat und dem aktuellen medizinischen Stand folgend über die negativen Folgen von Corona-(Re-)Infektionen und Long Covid aufklären. Doch „der Westen“ scheint sich inzwischen völlig in seinem pervertierten, zu purem, tödlichen Egoismus verkommenen Freiheits-Ideal verrannt zu haben, der sein Untergang als tonangebende Zivilisation sein könnte.

Als vernünftiger, aufgeklärter Mensch muss man sich inzwischen dauernd die Augen reiben, will nicht glauben, was man da hört: Der Freund schon wieder krank, der nächste, „unerwartete“ Todesfall, oft durch „plötzliche Herzinfarkte“, nicht selten bei Menschen im besten Alter. Medienberichte über verstorbene Stars und Sportler, bei Sportgroßveranstaltungen plötzlich zusammenbrechende Athleten, dubiose „Erkältungen“, die halbe Sport-Mannschaften flach legen, Athleten, die ihre Leistungen nicht mehr bringen können. Plötzlich abgesagte Konzerte….wenn man Glück hat, wird das böse, voldemortisierte Wort Corona in den Erklärungen noch erwähnt. In vielen Fällen nicht, denn die Verdrängung, die muss um jeden Preis aufrecht erhalten werden.

Die Lösung wäre denkbar einfach: 1. Aufklärung & Information 2. Gesetzliche Verpflichtung zu sinnvollen Schutzmaßnahmen (saubere Luft & CO2-Messung, insbesondere im Bildungsbereich & Gesundheitswesen) 3. Etablierung einer Maskenkultur 4. Maßnahmen zur Inklusion Vulnerabler 5. Massive Investition in Forschung zu Long Covid und ME/CFS & Sicherstellung der medizinischen Versorgung Betroffener. It’s no rocket science.

Die kollektive Verdrängung verhindert diese zwingend nötigen Schritte, solange sie nicht gesetzt werden, wird ein „Leben mit Corona“ nicht möglich sein. Bis dahin werden Gesellschaften weiterhin eine toxische und tödliche Lüge leben, die nicht nur Leben und Lebenszeit vernichtet, sondern auch die Gesellschaft als Ganzes zersetzt.

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Bild: Quelle: Shutterstock; eigene Bearbeitung

Eine Antwort zu „Corona: Leben mit der Verdrängung“

  1. […] Covid etc. leben unsere (westlichen) Gesellschaften in kollektiver Verdrängung, wie zuletzt auch hier dargestellt wurde. Die Mehrheit der Menschen hat sich wider besseres Wissen oder mangels nötigen Wissens dafür […]

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