Das international tätige World Health Network publizierte vor Kurzem ein Paper, das anhand wissenschaftlicher Studien einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung zu Covid-19, Long Covid und anderen Herausforderungen im Zusammenhang der Covid-19-Pandemie gibt. Das Paper unter dem Titel „SARS-CoV-2 und COVID-19: Von der Krise zur Lösung“ wurde von folgenden Autor/innen verfasst: Špela Šalamon, MD, PhD, Andrew Ewing, PhD, Greta Fox, Stephane Bilodeau, PhD, Carlos Gershenson, PhD, Matti TJ Heino, Prof. Dr. Matthias F. Schneider, Yaneer Bar-Yam, PhD. Im Folgenden sollen die wichtigsten Erkenntnisse und Aussagen zusammengefasst werden, auch in der Hoffnung, dass politische Verantwortungsträger und (Massen-)Medien darauf aufmerksam gemacht werden.
von Christian Klosz
Der aktuelle Forschungsstand zu Covid-19, Long Covid und Folgen
„Die andauernden globalen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie verursachen weiterhin erheblichen Schaden. Zahlreiche Studien weisen darauf hin, dass selbst milde Infektionen sowie Reinfektionen zu sowohl symptomatischen als auch subklinischen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, Behinderungen und chronischen Problemen führen können. (…) Die Arbeitsproduktivität der Menschen sowie ihre allgemeine Gesundheit und Lebensqualität nimmt dadurch ab. Eine uneingeschränkte Verbreitung des Virus katalysiert zudem seine Evolution. Dies reduziert die Wirksamkeit von Impfstoffen und wirkt sich negativ auf Therapien und die immunologische Anpassung aus.“ – Die Pandemie ist also nicht „vorbei“, das Virus nicht „harmlos“ geworden, wie ein populärer Irrglauben behauptet. Zudem hat der aktuelle (Nicht-)Umgang erwiesenermaßen negative Auswirkungen auf die Wirtschaft.
Wie wirkt Covid-19?
„Covid-19 stellt primär eine Gefäßerkrankung dar, die umfangreiche Schäden in mehreren Körpersystemen verursachen kann, auch wenn viele Experten im Bereich der öffentlichen Gesundheit weiterhin den Fokus auf akute Atemwegssymptome legen. (…) Das Virus wird hauptsächlich über den Atemtrakt durch das Einatmen infektiöser Aerosole übertragen, verursacht jedoch vorrangig eine systemische (mikro)thrombotische Endotheliitis und beeinträchtigt zusätzlich das Immun- und Nervensystem. Es hat sich gezeigt, dass die akute Krankheitsphase – ob schwer, mild oder sogar asymptomatisch – oft nur der Beginn einer lang andauernden Infektionskrankheit ist, die sich in vielen Organsystemen manifestieren und fortlaufend gesundheitliche Probleme verursachen kann.“ – Die Einstufung des Virus vieler Ärzte, aber auch Gesundheitsministerien (wie etwa in Österreich in Bezug auf Erfassung der Daten, Krankenhauseinweisungen) als „Atemwegserkrankung“ ist also falsch.
Re-Infektion erhöht Risiken
„(…) fast alle untersuchten Gesundheitsrisiken nehmen mit jeder neuen Reinfektion in allen Altersgruppen zu. Die zunehmend negativen Auswirkungen wiederholter Infektionen wurden kürzlich in einer kanadischen Studie hervorgehoben, die langfristige Effekte des Virus auf persistierende Symptome dokumentiert. In der allgemeinen Bevölkerung betrug die Wahrscheinlichkeit, symptomatisches Long COVID nach der ersten Infektion zu entwickeln, etwa 15 %, nach der zweiten Infektion 25 % und nach der dritten Infektion 38 %. Die Hälfte der Betroffenen berichtete, dass sich ihre Symptome im Laufe der Zeit nicht verbessert hätten, und zwei Drittel erhielten keine angemessene medizinische Versorgung. Wichtig ist, dass Impfungen zwar die Hospitalisierungs- und Todesfälle in der akuten Phase verringern, die Impfung allein jedoch nur teilweise postakute Krankheitssymptome und langfristige Gesundheitskomplikationen verhindert, selbst bei jungen und zuvor gesunden Personen, und dass sie weder eine Infektion zuverlässig verhindern noch die virale Entwicklung verlangsamen kann.“ – Diese Erkenntnisse stehen diametral im Gegensatz zu dem seit spätestens 2022 von vielen Staaten praktizierten Konzept der „Herdenimmunität“, nach dem durch wiederholte Re-Infektion der Körper immun gegen das Virus wird. Das Gegenteil ist der Fall: Mit jeder weiteren Infektion steigt das Risiko für gravierende gesundheitliche Schäden. Die Bevölkerung wird darüber von Politik und Medien weitgehend im Dunkeln gelassen oder gar aktiv desinformiert. Die Impfung verringert zwar das Risiko einer Ansteckung und schwerer akuter Verläufe, kann aber Folgeschäden wie Long Covid nicht oder nur teilweise verhindern.
Vielfältige Schäden im Körper
„(…) selbst Fälle, die akut mild verlaufen oder ursprünglich asymptomatisch sind, können langanhaltende Gesundheitsschäden nach sich ziehen. (…) Die Infektion kann das Immunsystem schwächen, überlasten und schädigen, einschließlich durch direkten Angriff auf T-Zellen. Die Immundysfunktion bei COVID-19 ist tiefgreifend und vielschichtig. (…) Das Risiko für andere Virusinfektionen nach COVID-19 erhöht sich um mehr als das Vierfache. (…) Die durch die Infektion verursachten Gehirnschäden stehen in Verbindung mit der Entwicklung und Beschleunigung von Demenzerkrankungen, kognitivem Abbau, hormonellen Störungen, Depressionen, Angstzuständen, Verhaltensänderungen und Substanzmissbrauch, die fälschlicherweise anderen Ursachen zugeschrieben werden könnten.“ – Auch „milde“ Covid-19-Verläufe können Langzeitschäden nach sich ziehen. Die Abwesenheit schwerer Symptome ist also keine Garantie dafür, dass der Körper durch die Infektion unbeschadet bleibt. Die Tatsache, dass das Risiko für andere Infekte nach Covid-19 um das 4-fache (!) steigt erklärt zu einem Gutteil das ständige „Krankwerden“ in großen Teilen der Bevölkerung, selbst wenn Covid-19-Tests negativ ausfallen, und die hohen Krankenstände. Auch das „Immunschuld“-Argument („Von vor 2 Jahren getragene Masken sind schuld an dauernden Infekten“) wird damit eindeutig widerlegt.
Illusion Herdenimmunität
„Das Konzept der Herdenimmunität, sei es durch Impfung, Infektion oder eine Kombination aus beiden („Hybridimmunität“), ist in Bezug auf SARS-CoV-2 intensiv diskutiert worden. Wissenschaftlich betrachtet gilt dieses Konzept nur dann als wirksam für eine Infektionskrankheit, wenn eine anhaltende Immunität eines hinreichend hohen Anteils der Bevölkerung die Verbreitung der Infektion effektiv unterbinden kann. Da die Übertragung von SARS-CoV-2 weiterhin auf einem hohen Niveau stattfindet, zeigt sich deutlich, dass dieses Konzept unter den aktuellen Bedingungen nicht anwendbar ist. Die spezifische, durch Impfung oder Infektion erworbene Immunität ist zeitlich begrenzt. (…) Angesichts eines ständig mutierenden Virus, das die Immunabwehr beeinträchtigt, erscheint eine Herdenimmunität unerreichbar. Die unkontrollierte Ausbreitung des Virus fördert seine fortlaufende Entwicklung, um unsere Immunabwehr zu umgehen. Die Kontrolle der Virusverbreitung bleibt der einzige effektive Weg, die Rate der viralen Evolution einzudämmen.“ – Hier wird die aktuelle Strategie der Politik eindeutig widerlegt: Herdenimmunität ist bei Sars-Cov-2 nicht erreichbar. Warum politische Verantwortungsträger diese Erkenntnisse weiter ignorieren, bleibt unverständlich.
Sterblichkeit, Lebenserwartung
„Die Annahme, dass das Virus spontan zu einer weniger pathogenen Form mutiert, findet keine wissenschaftliche Unterstützung. Im Gegenteil, Reinfektionen sind nicht notwendigerweise ‘milder’, selbst im akuten Stadium. Jede weitere Reinfektion, auch wenn sie zunächst ‘mild’ erscheinen mag, trägt zu langfristigen Symptomen und Gesundheitsrisiken bei Erwachsenen und Kindern bei. Obwohl die sinkenden Sterberaten im akuten Stadium viele beruhigen mögen, bleibt COVID-19 trotz begrenzter Überwachung eine der häufigsten Todesursachen“ (…) Dennoch sind die akuten Sterberaten immer noch fünfmal höher als bei hospitalisierten Influenza-Patienten. Darüber hinaus hat es seit 2020 einen starken Rückgang der weltweiten Lebenserwartung gegeben, den Länder mit proaktiven Infektionskontrollmaßnahmen weitgehend vermeiden konnten.“ – Selbst bei Blick auf das Akutstadium (das wie oben gezeigt nicht mehr das größte Problem bei Covid-19 ist) ist das Virus nicht mit der Grippe vergleichbar.
Long Covid, chronische Erkrankungen
„Nach nur einer Infektion erleben 10-30 % der nicht hospitalisierten und 50-70 % der hospitalisierten Patientinnen und Patienten langfristige symptomatische Folgen von COVID, die allgemein als Long COVID bekannt sind (…) Etwa ein Drittel der Patienten zeigt auch ein, zwei Jahre oder länger nach der Erstinfektion keine Erholungssymptome. Es ist ungewiss, ob diese Personen jemals vollständig genesen werden. Die Medizin bietet derzeit nur wenige wirksame, evidenzbasierte Behandlungen. Viele andere kämpfen mit Gesundheitsproblemen, die scheinbar unabhängig sind, da sie nie auf COVID-19 getestet wurden.“ – Viele der „dubiosen, unerklärlichen“ Gesundheitsprobleme, die derzeit in der Bevölkerung beobachtet werden können, könnten auf undiagnostizierte Covid-19-Infekte zurückzuführen sein.
Nur eine Erkältung?
„Obwohl SARS-CoV-2 hauptsächlich über den Luftweg übertragen wird, ist es biologisch eine systemische, immunotrope, neurotrope und thrombogene Endotheliitis, die in viele Gewebearten eindringt und ein hohes Potenzial für persistierende virale Infektionen und chronische virale Erkrankungen aufweist. Der durch COVID-19-Infektionen verursachte Schaden ist nicht mit Influenza, Rhinoviren oder anderen hauptsächlich akuten und selbstlimitierenden respiratorischen Infektionen vergleichbar. (…) In Bezug auf die Pathologie gehören zu den vergleichbaren Krankheiten mit Potenzial für chronische persistierende Infektionen und Organschäden HCV/Hepatitis C (…) HIV/AIDS (…) sowie H. pylori“ – Covid-19 ist nicht „wie die Grippe“ und schon gar nicht „eine Erkältung“.
All diese wissenschaftlich hinlänglich bewiesenen Aussagen (allesamt im Paper durch Studien belegt, siehe unten) zeigen, dass der aktuelle gesellschaftliche Umgang mit Covid-19 destruktiv ist und langfristig gesehen katastrophale Auswirkungen haben wird, auf den einzelnen, aber auch auf die gesamte Gesellschaft.
Es liegt an der Politik, diese Erkenntnisse Ernst zu nehmen, die Bevölkerung zu informieren, zu schützen und evidenzbasierte, sinnvolle und nachhaltige Maßnahmen zu ergreifen. Es liegt an den Medien, diese Erkenntnisse publik zu machen und Druck auf Verantwortungsträger auszuüben, sich dazu zu äußern, sie auch mit kritischen Fragen zu konfrontieren. Dieser Artikel soll einen kleinen Beitrag dazu leisten.

Demnächst wird auf Das_Medium ein 2. Artikel erscheinen, der die im Paper vorgestellten Lösungen für den gesellschaftlichen Umgang mit Covid-19 behandelt.
Das gesamte Paper kann hier eingesehen werden: https://whn.global/scientific/sars-cov-2-und-covid-19-von-der-krise-zur-losung/
Titelbild: (c) Photo by Edward Jenner on Pexels.com






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