Vor 2 Wochen startete die Tour de France 2024. Wie Das_Medium bereits damals berichtete, häuften sich schon vor dem Start die Covid-19-Fälle. Fahrer wie Tao Geoghegan Hart oder Sepp Kuss mussten wegen einer Infektion ihren Start absagen, David Gaudu startete zwar, verlor aber bereits am ersten Tag eine halbe Stunde. Nur Topfavorit Tadej Pogacar scheint bisher von seiner laut Eigenangabe 10 Tage vor Tourstart durchgemachten Covid-Infetion weitgehende verschont geblieben zu sein.
von Christian Klosz
Nachdem die erste Woche ruhig und ohne erwähnenswerte Krankheitsfälle verlief, machte sich Hoffnung breit, dass die Tour von dem Virus heuer weitgehend verschont bleiben könnte. Wenige Tage später sah die Sache bereits ganz anders aus: Als erster musste Sprint-Anfahrer Michael Morkov die Tour verlassen – auch nach offizieller Angabe seines Teams wegen eines positiven Covid-Tests und medizinischen Sorgen. In den folgenden Tagen hatte sichtlich viele Fahrer mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Einige traten zu Etappen nicht an, andere traten an, gaben aber nach kurzer Zeit auf. Oder erreichten außerhalb des Zeitlimits das Ziel, was einem Ausscheiden gleichkommt.
Auf diesem Weg erwischte es mehrere Fahrer des Cofidis-Teams wie Ion Izagirre und Jesus Herrada, Top 10-Kandidat Pello Bilbao von Bahrein Victorious, wo auch andere Fahrer betroffen waren, den Co-Kapitän von INEOS, Thomas Pidcock oder den da unter den TOP 5 liegenden Edelhelfer von Tadej Pogacar, Juan Ayuso von UAE. In den meisten Fällen wurde eine Covid-19-Erkrankung oder ein positiver Test auch offiziell als Grund angegeben. Hinzu kamen einige Aufgaben von Fahrern, wo als offizieller Grund „Krankheit“ oder „Erschöpfung“ genannt wurde, das immer noch präsente Virus aber sehr wahrscheinlich auch der Grund sein dürfte. Inzwischen mussten 17 Fahrer aus diesen Gründen das Feld verlassen. Das entspricht knapp 1/10 des gesamten Fahrerfeldes.
Besonders absurd war der Fall von Ayuso: Offiziell gab es vom Team keine Angaben zu seiner Infektion, bis eine spanische Zeitung darüber berichtete. Danach wurde bestätigt, dass Ayuso positiv getestet worden war, aber trotzdem zur Etappen starten würde: „Ich fühle mich sehr gut“ sagte der Betroffene knapp vor Start noch selbstbewusst. 30 Minuten später war er trotz flachen Terrains bereits ans Ende des Feldes gefallen, kurz danach musste er das Rennen völlig am Ende aufgeben. Hochmut kommt vor dem Fall.
Eine äußerst fragwürdige Entscheidung wurde zudem rund um Routinier Geraint Thomas getroffen: Wie sein Teamkollege Pidcock wurde auch er positiv getestet, das gesamte Team ist seit mehreren Tagen nur noch mit Masken zu sehen. Anders als Pidcock setzte Thomas das Rennen aber fort und fährt nun heute schon den zweiten Tag mit Infektion. Er habe „nur Kopfschmerzen und eine rinnende Nase“, so Thomas, der im Zielbereich immerhin mit Maske bei Interviews auftrat. Gestern verlor er trotztem 30 Minuten auf die Besten, was für einen ehemaligen Tour-Sieger eine Katastrophe ist. Welchen Sinn es hat, weiterzufahren, weiß niemand.

Indes gibt es aber auch vernünftigere Fahrer, die offenbar aus Fehlern der Vergangenheit gelernt haben: Mitfavorit Remco Evenepoel, derzeit Dritter in der Gesamtwertung und schon vor Tour-Start mit Maske gesichtet, tritt nun im Mixed-Bereich und bei Interviews nur noch konsequent mit FFP2-Maske auf (siehe Titelbild). Außerdem forderte eine eine Rückkehr zu Schutzmaßnahmen im Peloton wie zur Hochphase der Corona-Pandemie 2020 und 2021. Von einem Reporter (ohne Maske) darauf angesprochen, warum er denn immer noch Maske trüge, antwortete Evenepoel sichtlich genervt, aber treffend: „Weil ihr (Reporter, Anm.) keine tragt!“
Update: Zum Beginn der 3. Tour-Woche hat der Veranstalter ASO wieder Corona-Schutzmaßnahmen eingeführt: Im Start- und Zielbereich gilt in der letzten Woche für alle Journalisten und Zuschauer, die direkten Kontakt mit den Teams haben, Maskenpflicht, ebenso für Angestellte der Tour, etwa Ordner, Organisatoren etc.






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