Eine an Long Covid erkrankte Mutter schildert die unerträgliche Situation von Betroffenen in Österreich. Der Name ist der Redaktion bekannt, sie möchte aber anonym bleiben.

„Dass mein Leben als Vulnerable und das Leben meiner Kinder scheinbar keinen Wert haben, wurde mir klar und schmerzlich bewusst, als die letzten Vorsichtsmaßnahmen in Österreich fielen.

Ich gehöre noch nicht lange zur Gruppe der Vulnerablen, und ich frage mich, ob ich es auch nicht erwarten hätte können, endlich ohne Maske Öffis zu fahren. Hätte ich mir weiterhin einreden lassen, dass man mit jeder Infektion Immunität erwirbt, dass es Kindern nichts ausmacht, manchmal PIMS zu bekommen, aber nur sehr selten und dass sich Risikopatienten eh mit Maske schützen könnten? Es doch nicht so schlimm sei, wie anfangs erwartet? Hätte ich mich auch sicher gefühlt, wenn ich nach der dritten milden Infektion nicht Long Covid bekommen hätte?

Ich dachte, man könne nur nach einer schweren Covid Infektion Post Covid bekommen. Bei mir kam der Verlauf schleichend, nach einer milden Infektion. Seither habe ich zuerst Sport eingebüßt, dann den Kindern eine aktive Mutter zu sein, innerhalb von 3 Monaten meine Arbeitsfähigkeit verloren und zunehmend auch meine existenzielle Absicherung (ohne finanziellen Polster wäre ich komplett aufgeschmissen). Immerhin hat sich mein Zustand verbessert und ich muss die Stiegen nicht mehr mit letzter Kraft auf allen Vieren empor kriechen und kann die Wohnung für Besorgungen täglich verlassen, ohne zu crashen.

Statt mit staatlicher Härte gegen die gewaltbereiten (oft rechtsextremenWissenschaftsleugnerInnen vorzugehen, die KlimaaktivistInnen in der Regel zu spüren bekommen, wird ein Kniefall vor ihnen gemacht. Die CovidleugnerInnen kriegen alles, die KlimaaktivistInnen, mit der Wissenschaft im Rücken, nichts. Zu viele GrünwählerInen an die MFG verloren?

Die Aufklärung ist tot. Desinformation siegt.

Menschenleben von Vulnerablen zählen noch weniger als vor der Pandemie. Leben von Kindern scheinbar auch nicht mehr. Wie sonst kann man erklären, dass Schwangere und Babys in öffentlichen Räumen nicht mehr geschützt werden?

Wir haben regelmäßig getestet, immer wenn in der Schule ein Covidfall war sehr gut aufgepasst. Wenn meine Kinder Anzeichen einer Erkältung haben, setze ich Maske auf und schalte den Luftreiniger an, um gesund zu bleiben und meinen Gesundheitszustand nicht weiter zu verschlechtern, um sie pflegen zu können, wenn sie krank sind. Jetzt, wo in der Schule nicht mehr getestet wird, läuft alles im Blindflug und ist einfach noch belastender als letztes Jahr. Mir bleibt eigentlich nur Verdrängung. Bei Long Covid kann jede Infektion eine Verschlechterung hervorrufen. Die ich mir als getrennt Erziehende nicht leisten kann.

Meine Kinder setzen beim Einkaufen und im Museum, Kino oder Theater auch Masken auf. Sehr ungern. (Sie merken, dass wir die einzigen mit Maske sind, wir wurden auch schon mehrmals angepöbelt und fühlen sich deswegen unwohl.Geburtstagsfeste finden bei jedem Wetter draußen statt. Indoor haben wir die Regel, Maske zu tragen, wenn es mehr als eine Familie ist, wenn wir überhaupt teilnehmen. Unser Sozialleben ist im Winter sehr eingeschränkt. Wenn wir uns mit einer befreundeten Familie indoor treffen, dann nur, wenn alle gesund sind. (Freue mich auf den Sommer, da fällt es nicht so auf, dass es mit uns kompliziert ist.)

Die Infektion über die Schule und den Kindergarten können wir nicht verhindern. In der Schule habe ich Unterstützung vom Elternverein, da stehen Luftreiniger in der Klasse. Was mich sehr freut ist, dass auf die Elterninitiative dann doch einiges geht, wenn der Direktor mitmacht. Ich bin sehr froh, das erspart das Maskentragen in der Schule, Mobbing im Volksschulalter ist das Letzte, was wir als Familie noch brauchen könnten. Leider hat das Nudging in Bezug auf Infektionsschutz ja total versagt, bzw. gar nicht stattgefunden, wie sonst kann man sich erklären, dass Maskentragen, um das Leben seiner Angehörigen zu schützen, zu sozialem Ausschluss führt?

Es sorgt mich sehr, dass meine Kinder diesem Virus ungeschützt ausgesetzt sind, von dem ich bezüglich des wissenschaftlichen Stands halbwegs informiert bin und von den neurologischen Schäden, Entwicklungsverzögerungen, dem Anstieg von Autoimmunerkrankungen, Immundysregulation usw. weiß – nicht zuletzt von Long Covid Kids.

Als Gesundheitsminister muss man das ja auch alles wissen, oder zumindest die BeraterInnen. Wie kann man da ein Langzeitexperiment, wie dieses eines ist, welches mit jeder Ethikregel bricht, durchlaufen lassen? Ich mache die Politiker Rauch und Polaschek und in Wien Ludwig und Himmer für jede Ansteckung, die mit sauberer Luft verhindert werden könnte, verantwortlich. Für mich ist das Nichtstun, jeder weitere Fall eines Kindes, das an Long Covid erkrankt, aber mit Luftreinigern verhindert werden hätte können, ein Verbrechen.“

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Danke an die Betroffene für ihren Mut und die Kraft, ihre Situation so greifbar und anschaulich zu schildern!

Wer selbst seine Situation schildern möchte oder ein Anliegen an die Politik kommunizieren will, kann das gerne im Kommentar (unten) tun oder sich via Mail an Das_Medium@gmx.net bei mir melden. Gerne publiziere ich auch weitere Fälle, um das Schicksal der Betroffenen der Corona-Durchseuchung sichtbar zu machen.

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Titelbild: Stockfoto

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