Eine landläufige und weit verbreitete Meinung ist inzwischen bekanntlich, dass „die Pandemie vorbei“, dass „Corona vorbei“ ist und dass wenn, dann eine Infektion mit dem Virus nicht mehr als eine harmlose „Erkältung“ ist. Aktuelle Zahlen, Daten aus anderen Ländern, nahezu alle seriösen Studien und Institutionen wie die WHO sagen das Gegenteil. Die Bedrohungslage hat sich etwa gegenüber 2020 verändert, ist aber weiterhin existent und erfordert aktiven Einsatz der Verantwortlichen und der Gesellschaft. Wie kann es sein, dass sich derartige Falschinfos dennoch gerade zu pandemisch in dieser Gesellschaft ausbreiten?

von Christian Klosz

Zuerst müsste belegt werden, dass obige Aussagen und weitere, verbreitete Meinung zum Corona-Virus eben „Fake News“ und falsch sind. Und dass es sich dabei nur um „Meinungen“ und Formen eines „magischen Irrglaubens“ und nicht um belegbare Fakten handelt. Zahlen, Studien, Statistiken, viele Experten und nicht zuletzt die WHO können das recht eindeutig belegen, entsprechende Informationen lassen sich inzwischen auf vielen anderen Kanälen finden.

Daneben lassen sich aber auch andere Phänomene beobachten, die die eigentliche Funktion und den Charakter dieser verbreiteten Aussagen offenbaren: Die Verdrängung nämlich.

Beleg dafür ist a. Dass von Menschen, die Meinungen a la „Corona ist vorbei“ aktiv vertreten, massive Abwehr gegenüber der Konfrontation mit Fakten (oder: anderen „Meinungen“) zu beobachten ist. Wer Normalitäts-Simulanten mit gegenteiligen Daten, Studien, Expertenmeinungen konfrontiert, dem weht oft harscher, wütender Wind entgegen, Gegenargumente werden abgetan, diskreditiert, bis hin zum Widerspruch mit offenen Verschwörungstheorien („Deine Experten sind doch alle von Pfizer und Bill Gates gekauft!“). Das geschieht deshalb, weil die Verdrängung einer Realität, die für Betreffende nicht mehr verarbeitbar und erträglich ist, für diese überlebenswichtig ist und eine Konfrontation mit dieser Realität, die verdrängt werden will, eben diese Verdrängung gefährdet. Darum muss sie abgewehrt werden. Selbst wenn man vom Standpunkt ausginge, dass es sich bei „Corona ist vorbei“ und „Corona ist nicht vorbei“ um 2 gleichwertige, legitime Meinungen handeln würde, die in einem argumentativen Wettstreit ihre Gültigkeit überprüfen sollten, wird dies durch Vertreter ersterer These stets torpetiert. Man verweigert den Wettstreit der Ideen, weil man implizit wohl weiß, dass man ihn verlieren würde und ein Wettkampf zwischen evidenzbasierten Fakten und glaubens-/emotionsbasierten Meinungen in einer Arena kommunikativer Rationalität (siehe Habermas) nur einen Sieger hervorbringen kann. Wären die „Corona ist vorbei“-Fraktion von der Klarheit, Gültigkeit und Belegbarkeit ihrer Position überzeugt, warum verweigert man dann den Diskurs mit anderen „Meinungen“ (eigentlich Fakten), sowohl im Kleinen (privater Austausch), als auch im Großen (öffentliche Diskussionen im TV, Radio, in der Wissenschaft)?

Womit wir bei Beleg b. wären: Der Diskurs wird nicht nur aktiv verhindert, sondern auch passiv. Der Hinweis auf Fakten und den aktuelle Stand der Forschung, selbst auf innovative Projekte in anderen Ländern (etwa Gesetze zu „sauberer Luft“ oder aktiver Einsatz von Luftfiltern) oder Rückkehr zur partiellen Maskenpflicht in anderen Teilen der Welt wird oft mit Schweigen beantwortet. Lieber nichts sagen, als sich einem Gespräch stellen, das die Reflexion über die eigene Verblendung nötig machen könnte.

Das belegt, dass es sich bei den aktuell vorherrschenden Meinungen zur Corona-Pandemie und den Gefahren des Virus in erster Linie um Verdrängungsmechanismen handelt, die zum einen eine individuell-persönliche und subjektive Überforderung mit einer Situation, die weiter existent ist, aber nicht verarbeitet werden kann, erträglich machen soll. Zum anderen findet Ähnliches auf kollektiver, gesellschaftlicher, politischer, systemischer Ebene statt, da auch unsere spät-kapitalistischen Systeme daran gescheitert sind, nachhaltige Lösungen für eine geänderte Situation und Herausforderung der Gegenwart und für die Zukunft zu finden.

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