Für jemanden, der um jeden Preis „normal“ sein will, ist der österreichische Bundeskanzler Karl Nehammer ganz schön abnormal: Denn normal ist das, was man in seinem „Burger-Gate“-Video zu hören bekommt, auf keinen Fall. „Normal“ wären solche dämlichen, unbedachten, kurzsichtigen, ignoranten und schäbigen Aussagen vielleicht für einen Stammtischbesucher nach 3-4 Bier (ohne Wasser). Aber sicher nicht für den Bundeskanzler eines mitteleuropäischen Landes, das sich Demokratie schimpft.
Notnagel Nehammer offenbart in dem 6-minütigen Video das, was viele bereits seit längerem dachten, manche immer schon wussten: Der Mann ist absolut ungeeignet für dieses Amt.
Nehammer hat es zweifelsohne nicht leicht: Pandemie, Klimakrise, Teuerung, Krieg – die Krisen der Gegenwart sind vielfältig und komplex. Aber anstatt an ihnen zu wachsen, scheitert er daran, immer und immer wieder. Und das ganz offensichtlich: Das Virus „kümmert uns nicht mehr“ meinte er vor über einem Jahr, als Corona tatsächlich noch sehr viele kümmerte (und es auch heute noch sollte, dass das nicht mehr der Fall ist, dazu leistete Nehammer damit seinen Beitrag). Als „Lösung“ für die Krisen der Gegenwart bot er in weiser Voraussicht „Alkohol und Pharmaka“ an, als hätte er gewusst, dass er nicht in der Lage sein würde, dieser Krisen Herr zu werden und für viele Österreicher/innen tatsächlich nur noch der Griff zu Betäubungsmitteln das Leben halbwegs erträglich machen wird.
Das Tragische ist, dass Nehammer selbst für die triste Situation im Land mitverantwortlich ist. Denn er und seine Regierung kümmert sich schlicht nicht um Lösungen. Da kann er und die ÖVP noch so oft auf „tolle“ Maßnahmen der Regierung hinweisen: Sie sind alle Tropfen auf den heißen Stein und decken die Probleme nur zu, anstatt sie an der Wurzel zu packen.
Die Probleme sind wie gesagt mannigfaltig – doch Lösungen liegen auf dem Tisch und andere Länder machen vor, wie es gehen könnte.
Corona bleibt trotz kollektiver Verdrängung das bestimmende und ursächliche Thema. Dass es „nicht vorbei“ ist zeigen nicht nur aktuelle Abwasserdaten, Warnungen von Experten, der Blick nach Nordamerika oder Berichte über massive Personalausfälle in Schulen und Unternehmen, sondern auch diverse Aufnahmen und Berichte über Luftfilter in Ministerien und bei Regierungssitzungen. Die „da oben“ schützen sich also weiterhin, während der Bevölkerung das Gegenteil suggeriert wird. Die Motive mögen kurzfristiger Applaus, Stimmenzuwachs in Umfragen oder budgetäre Erwägungen sein, aber es bleibt trotzdem absolut unverständlich: Wie will eine Regierung hunderttausende Long/Post-Covid-Kranke versorgen, wie akute Ausfälle im Arbeitsalltag kompensieren, wie will sie die nachhaltigen und immer sichtbarer werdenden Schäden im Gesundheitswesen und der Wirtschaft beheben? Wie kurzsichtig und ignorant kann man sein?
Ähnliches lässt sich über den Umgang mit der Klimakrise sagen, die Nehammer selbst in seinem Auftritt vor wenigen Monaten teilweise leugnete. Und selbes gilt auch für die Maßnahmen gegen die Teuerung, die allesamt kurzfristig gedacht sind und der Bevölkerung bisher keine wirkliche Erleichterung gebracht haben.
Karl Nehammer ist diesem Amt einfach nicht gewachsen. Es fehlt ihm an Talent, Intelligenz und auch Gespür und Empathie, wie in dem Video von vorgestern eindeutig zu sehen ist. Die einzige vernünftige Reaktion auf sein Versagen als Regierungschef, als Vorbild und als Mensch kann nur ein Rücktritt und eine Entschuldigung sein.
von Christian Klosz
Bildquelle: (c) Bundesministerium für Finanzen, CC BY 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by/2.0, via Wikimedia Commons / Fotomontage






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